AutoADAC-News
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
HANDELSBLATT, Montag, 22. Januar 2007, 11:35 Uhr
Kleine Reparaturen mit großer Wirkung

Wann lohnt sich Smart Repair?


Bild vergrößern

Das Auge kauft zuerst, lautet das Motto der Profiverkäufer. Deshalb ist es beim gewerblichen Gebrauchtwagenhandel gängige Praxis, ein Fahrzeug vor dem Verkauf von einem Fachbetrieb komplett aufbereiten zu lassen. Geschult, erfahren und ausgestattet mit den passenden Werkzeugen und Materialien, verwandeln die Berufsputzer einen unansehnlichen Ladenhüter im besten Fall zu einem neuwagenähnlichen Herzensbrecher. 

Das Standardprogramm umfasst die Grundreinigung innen und außen sowie die optische Auffrischung von Lack, Kunststoffverkleidungen, Polstern und Felgen. Doch gegen Steinschläge, tiefe Kratzer und Beulen im Blech oder Löcher im Interieur helfen selbst die schärfsten Reinigungsmittel nicht. Konventionelle Reparaturmethoden wie Teillackierungen oder ein Neubezug des Sitzes kommen als Problemlösung in der Regel nicht in Frage, da der finanzielle Aufwand den angepeilten Zusatzgewinn beim Verkauf weit übersteigt oder zumindest zunichte macht.

Der Ausweg: kostensparende Reparaturmethoden zur Beseitigung von Kleinschäden, die seit einigen Jahren auch von Komplettaufbereitern unter dem Sammelbegriff “Smart-Repair„ angeboten werden. Mit speziellen Verfahren lassen sich so z. B. Kunststoffe samt ihrer Oberflächenstruktur wiederherstellen, Löcher in Sitzbezügen stopfen, kleinere Beulen im Blech herausdrücken oder Macken im Lack mittels Spot-Lackierung nahezu unsichtbar machen. Je nach Schadensbild funktionieren Smart-Repair-Methoden allerdings unterschiedlich erfolgreich, doch in den meisten Fällen ist der Mangel am Fahrzeug zumindest weniger auffällig als vorher. 

Der ADAC wollte wissen, ob sich eine solche Intensivkur fürs Auto tatsächlich lohnt und zwar nicht nur für den Gebrauchtwagenhändler, sondern auch für Privatpersonen. Als Testobjekt diente ein zwei Jahre alter Opel Astra, der bereits 47 000 Kilometer auf dem Tacho hatte und überdurchschnittliche Nutzungsspuren aufwies.

Die erste Fahrt führte zu einem unabhängigen Sachverständigen, um den aktuellen Marktwert schätzen zu lassen. Laut Computer-Liste sollte der Astra noch 12 500 Euro (Händlereinkaufspreis) wert sein, tatsächlich taxierte der Sachverständige unser Auto aufgrund diverser Schönheitsmängel nur auf 10 700 Euro. 

Fünf der monierten Kleinschäden waren typische Fälle für Smart-Repair: ein Steinschlagschaden in der Frontscheibe, Lackabschürfungen sowie leichte Deformationen am Stoßfänger hinten, ein kleines Loch am Armaturenbrett, ein Brandloch im Stoffsitzbezug und eine schmale Delle in der Tür. Die Kosten der Beseitigung dieser Schäden mittels konventioneller Reparaturmethoden bezifferte der Schätzer inklusive einer gründlichen Fahrzeugreinigung mit 3 030 Euro.

Der Besitzer des Astra hätte keine Chance, diese Summe beim Verkauf erstattet zu bekommen, es muss also billiger gehen. Wir fuhren deshalb zu einer Firma für Komplettaufbereitung, die auch Smart-Repair anbietet. Der Kostenvoranschlag für die fünf Reparaturen und eine Intensivreinigung mit Lackpolitur und Motorwäsche betrug knapp 600 Euro immerhin rund 2 450 Euro weniger, als wir für eine konventionelle Reparatur bezahlen müssten. Nach zwei Tagen konnten wir den Astra wieder abholen und führten ihn anschließend erneut dem Sachverständigen vor, der die Qualität der ausgeführten Arbeiten für uns beurteilen und ein neues Gesamtgutachten erstellen sollte.

Das Ergebnis: Die Innen- und Außenreinigung sowie die Beseitigung der Delle überzeugten den Schätzer komplett die bisher angesetzten Minderwerte im Gutachten konnten vollständig getilgt werden. Der Stoßfänger hinten glänzte fast wie neu, während die Flickarbeiten an Cockpit und Polster deutlich sichtbar waren. Erfolglos blieb der Reparaturversuch an der Frontscheibe, was aber durch die Art des Schadens zu erwarten war. 

Das neue Wertgutachten fiel deutlich aus: 11 650 Euro dürften wir nun für den (fast) wieder properen Astra vom Händler erwarten, also 950 Euro mehr als vorher. Zieht man die Kosten von fast 600 Euro für die Aufbereitung ab, bleiben immerhin noch etwa 350 Euro. Beim Verkauf an privat ist aufgrund des erheblich verbesserten Gesamteindrucks erfahrungsgemäß noch mehr zu erwarten und wenn es nur der angenehme Effekt ist, dass sich das Auto wohl wesentlich schneller verkauft.

Smart-Repair kann sich also rentieren, eine professionelle Komplettreinigung (an die man sich ja auch selbst wagen könnte) aber lohnt sich auf jeden Fall. Sie werden überrascht sein, was aus Ihrem Gebrauchten noch rauszuholen ist und vielleicht wollen Sie ihn dann gar nicht mehr verkaufen. 


WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:

Artikel Test: Schlechte Noten für italienische Autotunnel(23.04. 16:24)
Artikel Drei von vier Sommerreifen sind empfehlenswert(28.02. 08:00)
Tabellen und Infografiken Übersicht: Mobile Navigationsgeräte im Test(22.11. 07:15)
Artikel Wann lohnt sich Smart Repair?(22.01. 11:35)
Artikel Stichwort: Händlerhaftung beim Gebrauchwagenkauf(22.01. 11:35)

Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

AUTO-VISIONEN
Bildergalerie  Auto-News in Bildern
Neuwagen, Tests, Gebrauchte, Concept Cars, Liebhaberstücke, Technik, Tarife und Kurioses: Hier finden Sie in Kürze das Wesentliche vom Automarkt zum Durchklicken. Eine Nachrichtenübersicht mit großen Bildern und kurzen Texten.

Bildergalerie  Die Zweijährigen mit dem höchsten Potenzial
Die Auto-Bewertungsexperten von Schwacke haben sich aktuell zwei Jahre alte Fahrzeuge vorgenommen und diese hinsichtlich Wertverlust und Restwertpotenzial in elf Fahrzeugklassen beurteilt. Unsere Übersicht, die für Fuhrparkmanager ebenso wichtig ist wie für private Gebrauchtwagen(ver)käufer, zeigt die 33 Bestplatzierten.

Bildergalerie  Begleiter für kleine Gelände-Abenteuer
Audi zeigt auf der aktuellen Automesse in Peking den neuen Q5, Mercedes fährt den GLK vor: Die Mischung von dezenter Offroad-Optik und PKW-Komfort ist bei den Käufern sehr gefragt. Fast alle Autobauer haben kompakte Geländegänger im Angebot, – und im Laufe des Jahres stehen weitere SUV-Neuheiten vor der Markteinführung. Ein Überblick in Bildern.

Bildergalerie  Alte Gebrauchte rechtzeitig abstoßen
Mehr als 21 Millionen PKW auf deutschen Straßen sind älter als acht Jahre. Und erst nach ebenfalls rekordverdächtigen zwölf Jahren wird das durchschnittliche Auto in Deutschland ausrangiert, meldet das Kraftfahrtbundesamt. Aber fährt man mit alten Karossen wirklich günstig? Die Dekra hat in verschiedenen Fahrzeugklassen nachgerechnet.

Bildergalerie  Rückkehr einer VW-Ikone
In den 70er Jahren kamen bei VW Namen mit einem besonderen Klang auf. Mit dem Golf debütierte eine Ausnahmeerscheinung der Autowelt, und mit dem Namen eines Wüstenwindes kam ein Sportcoupe, das schnell viele Liebhaber fand: Scirocco. 34 Jahre nach der Weltpremiere des Ur-Scirocco auf dem Genfer Auto-Salon präsentierte VW endlich den Nachfolger. Eine Scirocco-Historie in Bildern.

Bildergalerie  Oldtimer-Fakten: Too young to die
Nur Autos werden mit der Zeit schöner: 15 Fakten für Old- und Youngtimer-Liebhaber ...

Bildergalerie  „Oben ohne“ steht für Luxus
Ungeachtet des schlechten letzten Sommers und missglückten Starts in diesen Frühling floriert das Geschäft mit Cabrios. Derzeit sind 1,5 Millionen offene Autos in einem Land unterwegs, das eine Jahresmitteltemperatur von knapp 10 Grad Celsius anzubieten hat. Was zählt ist weniger der Blick in den Himmel als Design und Status: Wer offen fährt, gönnt sich was. Eine Marktübersicht in Bildern.

Von Frank G. Heide und Chris Löwer
Bildergalerie  Neue Konkurrenz in der „Golf-Klasse“
Für den Klassiker aus Wolfsburg, den VW Golf, wird es enger: Fast ein Dutzend kompakter Neuheiten in kommen in nächster Zeit auf den Markt. Dabei spannt die Industrie den Bogen von praktischen Kombis über bezahlbare Sportwagen bis hin zu echten Luxusmodellen, die sich von der Oberklasse allein im Format unterscheiden. Eine Marktübersicht in Bildern.

Frank G. Heide
Bildergalerie  Die Lieblinge der Fuhrpark-Manager
Autos, die sich in großen Fuhrparks durchsetzen, erfüllen besondere Voraussetzungen in puncto Unterhaltskosten, Restwert und Verschleiß. Damit sind sie auch für private (Gebrauchtwagen-)Käufer interessant . Die Leser der Fachzeitschrift "Autoflotte" haben nun die Flotten-Awards 2008 gewählt. Eine Bilderstrecke mit den Siegern in 14 Kategorien.

Frank G. Heide
Bildergalerie  Handarbeit bis zur letzten Schraube
Der Sportwagenhersteller Wiesmann feiert Jubiläum. Seit 20 Jahren erfüllen sich im westfälischen Dülmen die Autoträume echter Puristen. Kernige Roadster, die nach eigenen Konstruktionsplänen von Facharbeitern in Einzelanfertigung hergestellt werden, sind das Markenzeichen der "Manufaktur der Individualisten". Die Wiesmann-Story in Bildern.

Von Petra Blum
BildergalerieStauen mit Stil
BildergalerieSieger und Verlierer im Tüv-Mängelreport
BildergalerieBritische Ikone in indischer Hand
BildergalerieWürfel sind sexy
BildergalerieDer Abschied vom Einheits-Look
BildergalerieDas Ende des Wettrüstens
BildergalerieHighlights des 78. Genfer Autosalons

Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
VW-Ikone

Rückblick in Bildern: Wie der Scirocco frischen Wind nach Wolfsburg brachte.
Open Air-Spaß

Cabrios: Wer offen fährt, der gönnt sich was. Eine Übersicht in Bildern.
Kompakt fährt vor

Fotostrecke: Welche Autos jetzt dem VW Golf Konkurrenz machen wollen.
VorschauVorschau

Alle wichtigen Termine für die Wirtschaft im Überblick