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HANDELSBLATT, Donnerstag, 20. April 2006, 13:11 Uhr
Autokauf

Was beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten ist

Neu oder alt? Klar: Neu wäre Ihnen lieber oder würden Sie sich z. B. beim Kauf eines Computers bevorzugt für ein Modell entscheiden, das schon vier Jahre auf dem Buckel hat und von diversen Vorbesitzern traktiert wurde?



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Beim Autokauf funktionieren die Entscheidungsmechanismen völlig anders: Über 6,6 Millionen Autofahrer entschieden sich im letzten Jahr in Deutschland für den Kauf eines Secondhand-Modells immerhin doppelt so viele wie die 3,3 Millionen Käufer eines Neufahrzeugs. Verkehrte Welt also, doch was macht das Thema Auto so anders? 

Ein alter Branchenwitz bringt den Unterschied auf den Punkt: “Wie vernichtet man in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Geld?„, fragt der Autoverkäufer seinen Kollegen, während sie dem wegfahrenden Kunden nachschauen. “Man kauft bei uns ein teures Neufahrzeug, fährt vom Hof und schon ist es nur noch die Hälfte wert.„ So ganz realistisch ist diese Einschätzung natürlich nicht, doch die Tendenz stimmt: Schon nach einem Jahr ist jedes Auto im Schnitt 20 Prozent weniger wert und diesen deutlichen Wertverlust wollen zahlreiche Kunden eben nicht finanzieren. 

Es gibt viele gute Gründe, einen Gebrauchtwagen zu kaufen: Zum einen kann man sich mit dem gesparten Geld ein Auto leisten, das ein, zwei Fahrzeugklassen höher angesiedelt ist. Was häufig ein Plus an Sicherheit bringt. Zum anderen stimmt meist auch die Qualität, da durch Rückläufer aus Leasingverträgen inzwischen viele junge und gepflegte Gebrauchte auf dem Markt sind. Und wer das Fahrzeug vor dem Kauf gründlich prüfen lässt, braucht hohe Reparaturkosten nicht zu fürchten. In puncto Zubehör gilt: Für eine tolle Komfort- und Sicherheitsausstattung zahlt man fast nichts extra. Und auch der Wertverlust wird mit den Jahren geringer. Die Mehrheit der Autofahrer entscheidet sich also mit guten Argumenten für einen Gebrauchten. 

So prüfen Sie die Problemzonen eines Gebrauchten

  • Ölverlust:
    Sichtbare Öltropfen unter Motor und Getriebe sind Anzeichen für Ölundichtigkeiten, hier können hohe Reparaturkosten drohen. Allerdings: Glänzt alles wie neu, deutet das auf eine gründliche Motorwäsche hin eventuell, um damit Leckstellen zu vertuschen.
  • Zahnriemen:
    Auch wenn man dieses Bauteil nicht sehen kann: Erkundigen Sie sich, ob ein Zahnriemenwechsel vorgeschrieben war und gemacht wurde. Werden die Wechselintervalle nicht eingehalten, führt das zu kapitalen Motorschäden.
  • Kühlung. Ist der Kühlwasserstand in Ordnung? Wenn nicht, ist es mit dem Nachfüllen allein meist nicht getan, es kann ein Hinweis auf einen Defekt sein. Prüfen Sie deshalb auch alle Schläuche und Schellen auf Porosität und Feuchtigkeit.

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  • Scheinwerfer/Lampen:
    Brennen alle Leuchten? Sind die Gläser in Ordnung oder haben sie Risse? Sind die Gläser von innen beschlagen, ist Feuchtigkeit eingedrungen hier hilft oft nur ein Austausch.
  • Frontschürze:
    Steinschläge und Rempler hinterlassen nicht nur Spuren, sondern oft auch Risse. Dann hilft oft nur der Komplettaustausch der Schürze.
  • Bremsen:
    Prüfen Sie mit der Taschenlampe die Bremsscheiben: Sind Riefen oder Rost zu sehen? Wenn es an schwergängigen Bremssätteln liegt, wirds teuer.
  • Felgen. Beschädigungen oder verformte Felgenränder deuten auf harte Einsatzbedingungen hin mit der Möglichkeit von Folgeschäden an der Radaufhängung oder an den Spurstangen der Lenkung.
  • Unterboden/Radhäuser/Türen:
    Ist der Unterbodenschutz komplett oder teilweise erneuert, sieht das nach gefährlicher “Kosmetik„ aus. Falls Reparatur-Schweißungen erkennbar sind, ist eine fachmännische Beurteilung notwendig. Roststellen an den Unterseiten von Türen und Heckklappen sind auch bei gepflegten Autos ein häufiger Schwachpunkt.
  • Auspuff:
    Schalldämpfer und Rohre sind die klassischen Verschleißteile diese sollten Sie also besonders gründlich inspizieren.
  • Reifen:
    Sind die Reifen ungleichmäßig abgefahren oder zeigen einen starken Verschleiß an der Innen- oder Außenschulter, kann eine fehlerhafte Fahrwerksgeometrie daran schuld sein hier muss eine Werkstatt die Diagnose stellen. Bei einer Profiltiefe von unter drei mm ist bald ein neuer Reifensatz fällig. Kontrollieren Sie auch Ersatz- und evtl. Winterreifen.
  • Gummidichtungen:
    Scheibengummis und Türdichtungen müssen geschmeidig sein, nicht rissig und porös. Bei defekten Gummis dringt spätestens in der Waschstraße Wasser ein.
  • Blech/Lack:
    Blicken Sie entlang den Fahrzeug-Flanken und über die Motorhaube: Entdecken Sie Wellen, Farbunterschiede oder matte Stellen, bedeutet es, dass mit dem Fahrzeug etwas passiert ist. Hat der Verkäufer nicht vorher darauf hingewiesen, sollten Sie ab sofort einen Fachmann weitermachen lassen. Sind Roststellen sichtbar, muss ebenfalls ein Fachmann entscheiden, wie schwer wiegend die Korrosion ist. Schon bei kleinen Rostpickeln oder blasenförmigen Lackerhebungen ist das Blech durchgerostet.

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  • Innenraum:
    Ein muffiger Geruch deutet auf Karosserie-Undichtigkeiten hin. Prüfen Sie, ob die Bodenbeläge feucht und darunter eventuell Roststellen zu erkennen sind.
  • Sitze. Ist der Fahrersitz durchgesessen und abgewetzt, wäre das zumindest bei einem Auto aufschlussreich, das angeblich bislang deutlich unter 100 000 km gelaufen ist.
  • Lenkung:
    Bewegen Sie das Lenkrad im Stand hin und her. Lässt es sich ohne Bewegung der Räder mehr als zwei Finger breit drehen, hat die Lenkung ganz eindeutig Spiel.


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