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HANDELSBLATT, Mittwoch, 5. März 2008, 08:30 Uhr
Sprachpanscher am Werk

Mit Pseudo-Englisch den Kunden verschreckt

Walter Krämer ist wütend: „In vielen Autos ist man ohne Wörterbuch aufgeschmissen“, schimpft der Vorsitzende des Vereins für Deutsche Sprache in Dortmund mit Blick auf die Preislisten deutscher Hersteller.


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Pseudo-Fachbegriffe
Bild vergrößern Für die Pseudo-Fachbegriffe, die Hersteller für Ausstattungskomponenten ihrer Modelle verwenden, ist Übersetzungshilfe nötig. (Bild: Schierenbeck/dpa/tmn)

dpa/tmn DORTMUND/BRAUNSCHWEIG. Walter Krämer ist wütend: „In vielen Autos ist man ohne Wörterbuch aufgeschmissen“, schimpft der Vorsitzende des Vereins für Deutsche Sprache in Dortmund mit Blick auf die Preislisten deutscher Hersteller. Dass bei der Namensgebung hin und wieder etwas schiefgeht - etwa der Suzuki Baleno an einen Schokoriegel und der Nissan Serena an eine Damenbinde erinnert -, daran haben sich Autokäufer gewöhnt. Doch dass Bezeichnungen für Funktionen und Ausstattungsmerkmale mehr Fragen aufwerfen als beantworten, will Menschen wie Krämer nicht in den Kopf.

Wer sich im „Car Configurator“ durchs Internet klickt oder die Prospekte studiert, kann die Verwirrung der Sprachschützer nachvollziehen. Er stolpert über Begriffe wie „Distronic“, „4motion“, „Advantage“-Pakete, „Track & Field“, und „Hill Descent Control“. „Englische, deutsch-englische und pseudo-englische Begriffe verursachen in der Kommunikation immer mehr Probleme, weil deutschsprachige Kunden immer weniger verstehen“, klagt Geert Teunis aus Braunschweig, der seit Jahren auf jeder VW-Hauptversammlung eine flammende Rede gegen den Niedergang der Sprachkultur hält.


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Damit verschenkt die Industrie einen wichtigen Wettbewerbsfaktor, glaubt Krämer: „Jeder hält den Airbag für eine amerikanische Erfindung, dabei kommt er aus Stuttgart. Hätte man ihn Prallkissen genannt, wäre das nicht passiert“, glaubt der Statistik-Professor, der deutsche Bezeichnungen als Vorteil sieht: „Bei Bier und bei Autos sind wir anerkannte Weltspitze. Warum nutzen wir das nicht?“

„Das „Denglisch“ zieht sich zum Beispiel bei VW durch die gesamte Begrifflichkeit“, klagt Teunis und macht das auch an den Farben fest: „In Spanien haben sie spanische Namen, in Frankreich französische und in Italien italienische. Aber warum muss ein VW in Deutschland in „shadow blue metallic“ lackiert sein?“, fragt Teunis und lobt Mehrheitsaktionär Porsche für den Mut zu „Steingrau“ oder „Seeblau“.

Bei der jüngsten VW-Hauptversammlung gab es eine Antwort von ganz oben: „Letztlich ist entscheidend, wie die Farbbezeichnungen bei den Kunden ankommen. Unsere Erfahrung ist, dass englischsprachige Farbbezeichnungen oft positivere Assoziationen erwecken als vergleichbare deutschsprachige Bezeichnungen“, entgegnete Aufsichtsratsvorsitzender Ferdinand Piëch.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: PCCB ist schwer vermittelbar


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