0 Bewertungen
29.03.2008 

Im Jahr 2016 sollen nach Berechnungen von Roland Berger mehr als die Hälfte der in Russland verkauften Autos aus russischer Produktion internationaler Hersteller stammen. Nach den Herstellern kommen nun verstärkt westliche Zulieferer. VW hat extra ein Gelände gekauft, das mit den Ausmaßen des Stammwerks Wolfsburg mithalten kann. Neben 400 Quadratmetern für den Autobauer ist noch einmal dieselbe Fläche für Partner vorgesehen. Mittelfristig wollen die Niedersachsen in Kaluga bis zu 150 000 Autos bauen. In diesem Jahr sollen es erst einmal 66 000 sein, die aus Bausätzen zusammengesetzt werden. Das System ist aufwendig: Die Fahrzeuge werden erst komplett in Tschechien (Skoda Octavia) und Deutschland (VW Passat) gebaut und dann für den Versand nach Russland demontiert – so spart Volkswagen die Einfuhr-steuer.

Später soll das VW-Werk eine Produktion mit Karosseriebau, Lackiererei und Endmontage aufnehmen. Volkswagen Rus, wie das Unternehmen heißt, will in der Fabrik dann rund 3 000 Mitarbeiter beschäftigen. Innerhalb von acht Jahren wollen die Deutschen einen russischen Fertigungsanteil von etwa einem Drittel erreichen. „Der Zuliefererpark wird jetzt ausgebaut“, kündigt Volkswagens Vertriebschef Detlef Wittig im Gespräch mit dem Handelsblatt an. Der ehemalige Chef der tschechischen Tochter Skoda hat im Auftrag des Konzerns die Verträge mit dem russischen Staat ausgehandelt. VW hat bis Mitte 2010 Zeit, die komplette Fertigung aufzunehmen.


Tabelle  Infografik: Auf dem Weg zu Europas größtem Autoabsatzmarkt


Volkswagen spielt dabei in die Hände, dass auch andere Hersteller wie Peugeot nach Kaluga kommen. Ohne Zulieferer kann die geforderte Lokalisierung jedenfalls nicht erreicht werden. Roland Berger schätzt das russische Gesamtvolumen an Komponenten für 2010 auf gut 20 Mrd. Dollar. „Russland braucht eine gesunde Zulieferstruktur“, sagte Magna-Chef Siegfried Wolf dem Handelsblatt. Der Autozulieferer und Lohnfertiger hat ebenfalls ehrgeizige Pläne in Russland – und das nicht nur als reiner Zulieferer: „Wir gehen intensiv auf die Autohersteller mit Vorschlägen zu, auch was Design und Branding angeht“, sagt Wolf.

Ursprünglich wollte Magna beim russischen Platzhirschen AvtoVAZ (Lada) einsteigen. Doch dann ist den Kanadiern Renault zuvorgekommen. Renault-Chef Carlos Ghosn bringt neben einer Menge Geld den Billigbestseller Logan der rumänischen Tochter Dacia in die Partnerschaft ein. 450 000 Autos wollen die beiden Firmen pro Jahr absetzen. Magna konzentriert sich notgedrungen auf die Kooperation mit dem russischen Hersteller Gaz, der zum Reich des Magna-Großaktionärs Oleg Deripaska gehört.

Der Ausgang des westöstlichen Teamworks ist offen. „Wir sind froh, dass wir nicht involviert sind“, sagt VW-Manager Wittig offenherzig. „Mit staunenden Augen schauen wir uns an, worauf Renault sich da einlässt. Die Frage ist, ob es ihnen damit gut gehen wird.“ Auch Magna-Chef Wolf ist sich der unterschiedlichen Kulturen bewusst: „Der Unterschied ist der: Ein russischer Ingenieur fängt erst einmal damit an, eine Schraube zu konstruieren. Wir haben schon fertige Pakete.“

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Automobil Rubriken

Anzeige

weiterTuminellis Designkritik

7er BMW: "No risk, no fun"  Artikel in Merkliste

09.07.2008, 11:53 UhrTuminellis Designkritik

BMW stellt den neuen 7er vor. Das Design ist – anders als beim Vorgänger – überhaupt keine Überraschung. Dabei soll das Auto die Absatzschwäche heilen und helfen, die Profitmarge zu verdoppeln. Doch der Hauptgedanke war offenbar, keinen Fehler zu machen. Eine verpasste Chance? Artikel