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HANDELSBLATT, Donnerstag, 20. Dezember 2007, 11:40 Uhr
Der Preis ist heiß

Dodge Nitro: Panzerknackers Dienstwagen


Dodge Nitro 2
Bild vergrößern „Hoppla jetzt komm ich“: Der gewaltige Kühlergrill und das kantige Design unterstreichen den explosiven Namen des Nitro. (Bild: Chrysler LLC)

dpa-infocom HAMBURG. In den USA gibt es sie zwar schon seit mehr als 100 Jahren. Doch diesseits des Atlantiks zählt Dodge zu den jüngsten Automarken. Erst seit Sommer 2006 werden die Wilden aus dem Westen im großen Stil auch bei uns angeboten.

Ein Geländewagen mit auffälligen Kanten

Dass man die vorlauten Schwestermodelle von Chrysler und Jeep trotzdem schon im Straßenbild wahrnimmt, liegt vor allem an ihrem auffälligen Design. Für keinen Wagen gilt das mehr als für den leichten Geländewagen Nitro. Optisch hebt sich der kantige Allradler mit dem explosiven Namen deutlich von der Konkurrenz à la Hyundai Tucson und Kia Sportage ab. Wo die anderen weichgespült den Allerweltsgeschmack bedienen, wirkt er böse wie der Dienstwagen der Panzerknacker.

Für Hummer H3-Fans mit einem kleinen Geldbeutel

„Hoppla jetzt komm ich“, meint man zu hören, wenn sich der gewaltige Kühlergrill mit dem verchromten Fadenkreuz um die Ecke schiebt. Die Schweller um die von bis zu 20 Zoll großen Alurädern prall gefüllten Radhäuser sind dick wie die Muskeln von Bodybuildern nach einem Anabolika-Cocktail, und die Scheiben schrumpfen zu Schießscharten. Das begeistert, so hoffen die Strategen bei Dodge, nicht nur schwarze Musiker in amerikanischen Rap-Videos, sondern auch europäischen Selbstdarsteller, die kein Allerwelts-Geländewagen fahren wollen und sich etwa den Hummer H3 nicht leisten können.

Der Preis ist heiß

Der Nitro dagegen ist fast schon ein Schnäppchen. Weil das Basismodell ohne Allradantrieb auskommt, steht der Wagen schon mit 27 390 Euro in der Liste und ist damit preiswerter als viele andere Importmodelle in dieser Liga. Allerdings merkt man spätestens im Innenraum, dass die Amerikaner aufs Geld schauen mussten. Zwar geht die Serienausstattung mit vier Airbags, ESP, Klimaanlage und den wichtigsten elektrischen Helfern in Ordnung. Extras wie die gekühlte Minibar im Handschuhfach oder den ausziehbaren Ladeboden im 369 Liter großen Kofferraum findet man in dieser Klasse jedoch kaum.

Schickes Infotainment-Paket, etwas billiges Interieur

Das Infotainment-Paket mit Festplattennavigation, einer digitalen Musikbox für bis zu 1 600 Titel und einem elektronischen Fotoalbum ist der Konkurrenz voraus. Doch wie so oft bei preiswerten Autos wirkt das Interieur etwas billig, weil die Kunststoffe zu hart und die Oberflächen zu glatt sind. Ein paar Lederbahnen auf Sitzen und Türen mit eingeprägtem Dodge-Logo können das nicht wettmachen. Außerdem geht es vor allem vorne etwas eng zu. Hinten dagegen hat man überraschend viel Platz. Und wer die Rückbank umklappt, macht den Nitro mit fast 2000 Litern Stauraum sogar zum Lademeister.

Amerikanisches Design, europäischer Motor

So amerikanisch das Auto auch aussieht, unterm Blech ginge der Nitro auch als Europäer durch: Das Fahrverhalten ist trotz der veralteten Starrachse im Heck relativ präzise und unter der Haube steckt ein halbwegs vernünftiger Diesel, der serienmäßig mit Rußfilter ausgeliefert wird. Zwar brummt der 2,8 Liter große Vierzylinder an einem kalten Morgen wie ein schlecht gelaunter Grizzly-Bär nach dem Winterschlaf. Doch punktet er dafür mit 130 kW/177 PS und bärigen 460 Newtonmetern Drehmoment, die den Wagen in Verbindung mit einer ordentlichen Fünfstufen-Automatik in 10,5 Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde (km/h) beschleunigen und immerhin 182 km/h ermöglichen. Dabei verbraucht der Diesel im Normzyklus 9,4 Liter und kommt so auf einen CO2-Ausstoß von 250 Gramm pro Kilometer.

Allrad hilft auf dem Land und stört in der Stadt

Im Basismodell für 1 500 Euro extra und in allen anderen Versionen serienmäßig bekommt der Nitro einen Allradantrieb, der während der Fahrt mit einem Drehregler auf dem Mitteltunnel zugeschaltet werden kann. Anders als bei vielen Konkurrenzsystemen wird die Kraft damit allerdings nicht variabel, sondern jeweils zur Hälfte zwischen der Vorder- und Hinterachse verteilt. Auf Schnee und Eis, schlechten Straßen oder bei Abenteuern abseits des Alltags hilft das dem Nitro weiter. In der Stadt allerdings wirkt der ohnehin schon wenig übersichtliche Wagen mit aktiviertem Allradantrieb noch unhandlicher, wenn man ihn in enge Parklücken bugsieren möchte.

Fazit: Der Showstar unter den Preisbrechern

Unter dem Strich ist der Nitro vor allem ein Showstar, der für wenig Geld viele Blicke fängt und seinen Besitzer zudem mit manch nettem Gimmick erfreuen dürfte. Technische Wunder und übermäßig viel Komfort darf man dabei allerdings nicht erwarten. Das ist schade, aber keine Überraschung. Denn damit befindet sich der Nitro in guter Gesellschaft vieler anderer preiswerter Geländegänger. Nur sehen die dazu oft auch noch langweilig aus.


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