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HANDELSBLATT, Mittwoch, 12. März 2008, 09:40 Uhr
Ein echter Amerikaner für die europäischen Kunden

Chevrolet HHR 2.4 LT: Dienstwagen für Al Capone

Die Retro-Welle rollt unvermindert weiter. Zwar halten viele Designer den stilistischen Blick zurück längst für überholt. Doch Autos wie der Fiat 500 zeigen, dass der Geist von gestern noch immer Charme hat. Darauf setzt jetzt auch Chevrolet:



Chevrolet HHR
Bild vergrößern In den USA wurde der HHR wiederholt zum „Coolest Car of the Year“ gewählt - jetzt soll er auch die Europäer beglücken. (Bild: Chevrolet)

dpa-infocom HAMBURG. Nachdem die Schwestermarke von Opel in Deutschland bislang nur koreanische Modelle verkauft hat, die vor allem praktisch und preiswert waren, appelliert sie nun mit dem HHR als erstem echten Amerikaner im europäischen Modellprogramm auch an das Herz der Kundschaft. So ist der Kombi der erste europäische Chevrolet der Neuzeit, nach dem sich die Passanten tatsächlich umdrehen.

Gezeichnet ist der knapp 4,50 Meter lange Fünfsitzer, der in den USA seit einigen Jahren am Markt ist und dort wiederholt zum „Coolest Car of the Year“ ausgezeichnet wurde, wie ein Auto aus den Gangsterfilmen der 50er Jahre. Allerdings wollten die Amerikaner mit dem breiten, verchromten Kühlergrill, der runden Motorhaube, den weit ausgestellten Kotflügeln, dem wuchtigen Heck und den vielen Zierelementen aus glänzendem Chrom nicht an Gangsterboss Al Capone erinnern. Stattdessen hatte sie den Chevrolet Suburban von 1949 vor Augen, mit dem sie die Gattung des Vielzweckfahrzeugs vor mehr als 50 Jahren erfunden haben wollen. Daher erhielt der Wagen auch den „äitsch, äitsch ahrr“ ausgesprochenen Namen, der ausgeschrieben Heritage High Roof heißt und an das hohe Dach des Originals erinnern soll. Dass der Retro-Kombi dabei dem etwas älteren und zudem kleineren PT Cruiser von Chrysler ähnelt, ist kein Wunder: Beide Fahrzeuge wurden vom selben Designer, Bryan Nesbitt, entworfen.

Außen hui, aber innen nur na ja

Zwar hat der HHR ein auffälliges Design und ein stattliches Format. Doch bleibt davon innen wenig übrig: Bis auf einen metallisch glänzenden Schaltknüppel von der Form einer Billardkugel, ein paar Zierringen um die Instrumente und kreisrunden Ablagen in den Türen wirkt der von grauem Kunststoff dominierte Innenraum eher uninspiriert. Und zumindest in der ersten Reihe geht es darüber hinaus ziemlich eng zu. Ohne Zweifel sitzt man sehr bequem auf den dick gepolsterten Ledersesseln, doch Kopf und Knie haben ungewöhnlich oft Kontakt mit der Karosserie. Im Fond dagegen reist man schon besser, und über zu wenig Platz für das Gepäck kann sich niemand beschweren: Wenn der HHR die Klappe aufreißt, passen schon bei aufrechter Rückbank 430 Liter hinein. Und wer die geteilte Rückbank umlegt, kann 960 Liter zuladen. Auf neumodische Extras wie eine verschiebbare Rückbank oder gar variable Einzelsitze in der zweiten Reihe haben die Amerikaner allerdings verzichtet.

Ambiente wird durch großzügige Ausstattung ersetzt

Was dem HHR innen an Ambiente und Innovation fehlt, macht er mit einer ungewöhnlich kompletten Ausstattung wieder wett: Der Schleuderschutz ESP und vier Airbags sind ohnehin Standard. Und wo andere Hersteller in der Kompaktklasse mit jedem Extra geizen, gilt bei den Amerikanern für 22 990 Euro ein All-Inclusive-Tarif. Klimaanlage, Lederpolster, Alufelgen, CD-Player, Sitzheizung, elektrische Fensterheber? Alles schon drin. Nur Metallic-Lack, Schiebedach und die antiquierte Vier-Stufen-Automatik kosten extra.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ein gemütlicher Gleiter


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