AutoLiebhaber-Stücke
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
HANDELSBLATT, Dienstag, 12. Juni 2007, 09:00 Uhr
Ursprünglich mit 18 PS ausgestattet

Nicht von Pappe

 Mehr zum Thema: Trabant
Bildergalerie

Geliebter Stinker: Der Trabi wird 50 (07.11. 15:04)

Artikel

Der Sputnik stand Pate (07.11. 11:43)

Artikel

Die Geschichte der Trabant-Produktion (07.11. 11:40)

Zum Special ...



50 Jahre Trabbi
Bild vergrößern Oldtimer: Ein Trabant aus dem Jahr 1959. (Bild: dpa/tmn)

dpa/tmn ZWICKAU. Der Name „Trabant“ weckt ganz unterschiedliche Assoziationen - die einen machen Witze über den Kleinwagen aus der DDR, die anderen denken vielleicht wehmütig an Urlaubsfahrten zur Ostsee. Ganz nebenbei ist das Auto inzwischen ein Oldtimer geworden.

Der Trabbi feiert dieses Jahr sein 50. Jubiläum. Die Geschichte des kleinen Autos begann in den fünfziger Jahren, als die DDR noch den Willen hatte, dem Westen zu zeigen, wozu ein solches System auch wirtschaftlich fähig ist. Da passte es nicht, dass die Automobilindustrie im Westen bereits wieder in Schwung kam, während die Bevölkerung Ost in dieser Hinsicht darben musste. Also wurde 1954 auf politischer Ebene ein Entschluss gefasst: Ein neuer Kleinwagen sollte konstruiert werden, einer der bezahlbar war und gleichzeitig robust.

Doch Bleche für die Herstellung einer Karosserie nach üblichen Standards waren in Deutschlands Osten teuer. Das Problem sollte mit dem Einsatz von Duroplast gelöst werden, einer Kombination aus Baumwollfasern und Kunststoff. Auf eine Faserlage kamen Phenolharzteilchen, darauf wieder eine Lage Fasern und so weiter. Am Ende wurde das Ganze mit Hitze in Form gepresst - und fertig war das Karosserieteil, das dann am Ende auf dem Metallgerippe des Wagens befestigt wurde.

Im Jahr 1957 war das Autmobilwerk Zwickau (AWZ) so weit, dass eine erste Testserie des künftigen Kleinwagens produziert werden konnte. Insgesamt wurden 50 Exemplare des so genannten P50 hergestellt. Weil die Zeichen damals noch auf Aufbruch standen, war eine schlichte Bezeichnung wie P50 für ein so modernes Produkt sozialistischer Ingenieurskunst kaum haltbar.

Da passte es gut, dass just im Oktober 1957 die Sowjetunion den ersten Sputnik-Satelliten in die Umlaufbahn gebracht hatte. Was wiederum zu der Bezeichnung „Trabant“ führte, die ebenso wie der Begriff „Sputnik“ „Begleiter“ bedeutete.

Während der Trabant in späteren Jahren noch oft belächelt werden sollte, erntete er zunächst einmal Anerkennung. Schließlich waren selbst in Westdeutschland in den fünfziger Jahren wesentlich skurrilere Konstruktionen unterwegs - man denke nur an die Isettas und Kabinenroller. Auch die ursprünglichen 18 PS waren von den Käfern und Enten des Westens nicht weit entfernt.

Mit dem Beginn der Serienfertigung wurde das Urmodell fortwährend verbessert - und im Jahr 1964 gab es sogar wirklich Neues: Das Modell 601 erschien und zeichnete sich vor allem durch eine neue Karosserie aus. Das Auto wirkte nicht mehr ganz so rund, und es gab kleine Andeutungen der damals vor allem in den USA beliebten Heckflossen.

Nach 1964 hat sich im Grunde nichts mehr am Trabant geändert. Die „Asphaltblase“ wurde in den kommenden Jahrzehnten nur noch in Details überarbeitet. Mangelnder Innovationsreichtum der Entwickler war allerdings nicht der Grund für den automobilen Stillstand Ost. Tatsächlich gab es immer wieder Projekte zur Weiterentwicklung der Trabant-Idee. Die Entwicklung wurde aus Geldmangel gestoppt.

Erst als das Ende der DDR nahte, gab es doch noch einmal Neues vom Trabant: Nach der Mitte der Achtziger konnte mit einer Volkswagen-Lizenz ein Vierzylinder-Viertaktmotor mit 1,1 Liter Hubraum und immerhin 40 PS gebaut werden. Der kam zum einen im größeren Wartburg und eben auch im Trabant zum Einsatz. Äußerlich unterschied sich der 1,1 genannte neue Trabant kaum vom Original - auffälligstes Merkmal war ein veränderter Kühlergrill.

Doch als es so weit war, dass der Wagen gekauft werden konnte, war die Geschichte des Trabant als Neuwagen schon fast beendet. Mit Wende und Wiedervereinigung wurde das Fortbewegungsmittel des sozialistischen Ostens zum gesamtdeutschen „Trabi“: Während die einst stolzen Trabant-Besitzer auf neue und gebrauchte West-Fahrzeuge umstiegen, bildete sich gerade im Westen eine gar nicht so kleine Gemeinde, die den Trabant bis heute als Kultobjekt und sogar erhaltenswerten Oldtimer pflegt.


WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:

Artikel Der Weltmeister als Chauffeur(13.05. 15:11)
Artikel Die Geburt der Big Bikes: Kawasaki 900 Z1(13.05. 08:30)
Artikel Letzter Ausflug ins Oberhaus: Opel Senator wird 30(11.05. 09:00)
Artikel Die Guten sterben alt(09.05. 16:07)
Artikel Ford T-Modell: Uropas „Golf“ wird 100(08.05. 08:30)

Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

AUTO-VISIONEN
Bildergalerie  Auto-News in Bildern
Neuwagen, Tests, Gebrauchte, Concept Cars, Liebhaberstücke, Technik, Tarife und Kurioses: Hier finden Sie in Kürze das Wesentliche vom Automarkt zum Durchklicken. Eine Nachrichtenübersicht mit großen Bildern und kurzen Texten.

Bildergalerie  Die Zweijährigen mit dem höchsten Potenzial
Die Auto-Bewertungsexperten von Schwacke haben sich aktuell zwei Jahre alte Fahrzeuge vorgenommen und diese hinsichtlich Wertverlust und Restwertpotenzial in elf Fahrzeugklassen beurteilt. Unsere Übersicht, die für Fuhrparkmanager ebenso wichtig ist wie für private Gebrauchtwagen(ver)käufer, zeigt die 33 Bestplatzierten.

Bildergalerie  Begleiter für kleine Gelände-Abenteuer
Audi zeigt auf der aktuellen Automesse in Peking den neuen Q5, Mercedes fährt den GLK vor: Die Mischung von dezenter Offroad-Optik und PKW-Komfort ist bei den Käufern sehr gefragt. Fast alle Autobauer haben kompakte Geländegänger im Angebot, – und im Laufe des Jahres stehen weitere SUV-Neuheiten vor der Markteinführung. Ein Überblick in Bildern.

Bildergalerie  Alte Gebrauchte rechtzeitig abstoßen
Mehr als 21 Millionen PKW auf deutschen Straßen sind älter als acht Jahre. Und erst nach ebenfalls rekordverdächtigen zwölf Jahren wird das durchschnittliche Auto in Deutschland ausrangiert, meldet das Kraftfahrtbundesamt. Aber fährt man mit alten Karossen wirklich günstig? Die Dekra hat in verschiedenen Fahrzeugklassen nachgerechnet.

Bildergalerie  Rückkehr einer VW-Ikone
In den 70er Jahren kamen bei VW Namen mit einem besonderen Klang auf. Mit dem Golf debütierte eine Ausnahmeerscheinung der Autowelt, und mit dem Namen eines Wüstenwindes kam ein Sportcoupe, das schnell viele Liebhaber fand: Scirocco. 34 Jahre nach der Weltpremiere des Ur-Scirocco auf dem Genfer Auto-Salon präsentierte VW endlich den Nachfolger. Eine Scirocco-Historie in Bildern.

Bildergalerie  Oldtimer-Fakten: Too young to die
Nur Autos werden mit der Zeit schöner: 15 Fakten für Old- und Youngtimer-Liebhaber ...

Bildergalerie  „Oben ohne“ steht für Luxus
Ungeachtet des schlechten letzten Sommers und missglückten Starts in diesen Frühling floriert das Geschäft mit Cabrios. Derzeit sind 1,5 Millionen offene Autos in einem Land unterwegs, das eine Jahresmitteltemperatur von knapp 10 Grad Celsius anzubieten hat. Was zählt ist weniger der Blick in den Himmel als Design und Status: Wer offen fährt, gönnt sich was. Eine Marktübersicht in Bildern.

Von Frank G. Heide und Chris Löwer
Bildergalerie  Neue Konkurrenz in der „Golf-Klasse“
Für den Klassiker aus Wolfsburg, den VW Golf, wird es enger: Fast ein Dutzend kompakter Neuheiten in kommen in nächster Zeit auf den Markt. Dabei spannt die Industrie den Bogen von praktischen Kombis über bezahlbare Sportwagen bis hin zu echten Luxusmodellen, die sich von der Oberklasse allein im Format unterscheiden. Eine Marktübersicht in Bildern.

Frank G. Heide
Bildergalerie  Die Lieblinge der Fuhrpark-Manager
Autos, die sich in großen Fuhrparks durchsetzen, erfüllen besondere Voraussetzungen in puncto Unterhaltskosten, Restwert und Verschleiß. Damit sind sie auch für private (Gebrauchtwagen-)Käufer interessant . Die Leser der Fachzeitschrift "Autoflotte" haben nun die Flotten-Awards 2008 gewählt. Eine Bilderstrecke mit den Siegern in 14 Kategorien.

Frank G. Heide
Bildergalerie  Handarbeit bis zur letzten Schraube
Der Sportwagenhersteller Wiesmann feiert Jubiläum. Seit 20 Jahren erfüllen sich im westfälischen Dülmen die Autoträume echter Puristen. Kernige Roadster, die nach eigenen Konstruktionsplänen von Facharbeitern in Einzelanfertigung hergestellt werden, sind das Markenzeichen der "Manufaktur der Individualisten". Die Wiesmann-Story in Bildern.

Von Petra Blum
BildergalerieStauen mit Stil
BildergalerieSieger und Verlierer im Tüv-Mängelreport
BildergalerieBritische Ikone in indischer Hand
BildergalerieWürfel sind sexy
BildergalerieDer Abschied vom Einheits-Look
BildergalerieDas Ende des Wettrüstens
BildergalerieHighlights des 78. Genfer Autosalons

Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
VW-Ikone

Rückblick in Bildern: Wie der Scirocco frischen Wind nach Wolfsburg brachte.
Open Air-Spaß

Cabrios: Wer offen fährt, der gönnt sich was. Eine Übersicht in Bildern.
Kompakt fährt vor

Fotostrecke: Welche Autos jetzt dem VW Golf Konkurrenz machen wollen.
VorschauVorschau

Alle wichtigen Termine für die Wirtschaft im Überblick