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HANDELSBLATT, Mittwoch, 6. Februar 2008, 08:00 Uhr
Automobiler Ausbund an Sachlichkeit

Kultiger Spießbürger: Der Strich-Achter wird 40

Manche Dinge sind schwer vorstellbar - aber nicht unwahrscheinlich. Zum Beispiel der Gedanke, dass eine Mercedes E-Klasse des Baujahrs 2008 ein echtes Kultobjekt sein könnte.



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dpa/tmn STUTTGART. Sicher handelt es sich dabei um hochwertige Autos. Nur zieren sie vor allem Behördenparkplätze oder Carports von Vorstadt-Reihenhäusern. Eine E-Klasse als bestauntes Objekt in einem Szeneviertel? Kaum vorstellbar. Letztendlich ist es aber nicht unwahrscheinlich, denn vor 40 Jahren erschien mit dem Strich-Achter ein Auto, das zunächst nichts anderes als einen Ausbund an Spießbürgerlichkeit darstellte. Heute ist der Urahn der aktuellen E-Klasse ein oft bestauntes Kultobjekt.

1968 wurde auf verschiedene Art Geschichte geschrieben. In Deutschland steht das Jahr für die Studentenunruhen und das Attentat auf Rudi Dutschke. Besonders vor diesem Hintergrund mag es verwundern, dass gerade dieses Mercedes-Modell zu einem klassenlosen Liebhaberobjekt geworden ist. Denn seinerzeit stand es für das, was die protestierenden Studenten als Feindbild auserkoren hatten: Dieses Auto war nichts anderes als der Dienstwagen des Establishments, das Traumauto des gehobenen Beamten und des „Spießers“ im Allgemeinen.

Am 9. Januar 1968 wurde der Strich-Achter der Presse präsentiert. Für die ersten Betrachter dürfte der Blick auf die „Neue Generation“ ein Kulturschock gewesen sein. Hatte Mercedes bisher auf rundliche Formen und Ansätze von Heckflossen im Stil amerikanischer Straßenkreuzer aus den 50er Jahren gesetzt, stand vor ihnen nun ein Auto, dessen Design an Nüchternheit kaum zu überbieten war.

So erscheint es fast als Witz der Geschichte, dass dieser Ausbund an Sachlichkeit heute liebevoll Strich-Achter genannt wird. Denn hinter dieser Bezeichnung verbarg sich der fast schon hilflose Versuch, die präsentierten Modelle in der eher einfallslosen Reihe der Modellbezeichnungen des Hauses kenntlich zu machen. Wie gewohnt setzte man auch beim Strich-Achter auf ein Verfahren, das die Modellbezeichnungen grob den Hubräumen des Motors zuordnete - das Modell 200 mit zwei Litern Hubraum, der 230er mit 2,3 Litern und so weiter. Nur hatte es das auch schon bei Vorgängermodellen gegeben.

Die neue Modellpalette wurde nun - in erster Linie intern - mit der Endziffer des Jahres gekennzeichnet, in dem sie erschien: So wurde dann ein 200er der Generation ab 1968 zum 200/8. Ein Schrägstrich und eine Acht, nichts wirklich Einfallsreiches. Wer daraus den Strich-Achter machte, bleibt ein Geheimnis der Automobilgeschichte.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Es hätte auch ganz anders kommen können


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