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HANDELSBLATT, Donnerstag, 7. Februar 2008, 08:00 Uhr
„Hemisfear“

California Dreaming

Von Helmut Werb

200 000 Euro für ein Auto sind heutzutage beileibe nichts Außergewöhnliches mehr. Jeder Aston Martin DBS, Carrera GTS und der ein oder andere Bentley kosten deutlich mehr. Auf der anderen Seite gibt es fürs gleiche Geld wohl kaum mehr exklusives Giftgrün als beim vortrefflich benannten „Hemisfear“ von Chip Foose.


Andersherum wäre der normale Weg. Aber was bedeutet schon andersherum für eine automobilistische Kreation, die so selten und seltsam daherkommt. Ein giftgrünes Monster mit freistehenden Rädern, einem monströsen Bigblock-Achtzylinder (ursprünglich einem 392 Chrysler Hemi) zwischen Sitz und Hinterachse und einem knallrot lackierten ZF-Fünfganggetriebe dahinter. Man ist es gewohnt, dass Modellauto-Produzenten maßstabsgetreue Replikate solcher Traumautos in Regale stellen, Nachbauten von „dream machines“, die Jungs jeden Alters zu auto-erotischen Tagträumen verführen.

In Chip Fooses Fall kam das Ei jedoch vor dem Huhn. Der berühmte „Car Customizer“ aus dem kalifornischen Huntington Beach (der ehemaligen Heimat eines künftigen Bayern-München-Trainers übrigens) war bis dato eher bekannt für die eine oder andere Sonderausführung eines Ford-Pick-up-Trucks und abgehobene Showcars, die Hot-Rod-Ausstellungen bevölkerten. Aber erst die gewaltige Finanzspritze des Spielzeugautoherstellers RC2 ermöglichte dem spinnerten Kalifornier die Serienproduktion seines Traumautos, wobei der Begriff Serie in diesem Fall etwas entspannter interpretiert werden sollte.

Ford
Chart: Ford
Analystenmeinung

Im Jahr 1990 stellte der damals gerade mal 27-jährige Foose eine Studie vor, die ein paar Jahre später von Chrysler als Prowler bastardisiert wurde. Erst im Jahr 2006 schaffte es der zu Recht verbitterte Foose, seine Schöpfung auf der Autoshow in Las Vegas so vorzustellen, wie sie in Wirklichkeit hätte aussehen sollen – ein Mittelmotormonster mit High-Tech-Fahrwerk und einem Antriebsaggregat, das dem Namen zu Ehren gereicht. Das saftig grüne Einzelstück, von Foose gar trefflich „Hemisfear“ genannt, wurde ein halbes Jahr später auf der Barrett-Jackson-Palm-Beach-Auktion für 330 000 Dollar an einen solventen Autonarren aus Atlanta versteigert.

Normalerweise verdiente Foose, immerhin Absolvent des Art Center College von Pasadena, einer der renommiertesten Design-Schmieden der Oktanwelt, einen Großteil seines Einkommens mit der Vermarktung seiner Kreationen als Modellautos. Und auch der Ur-Hemisfear sollte ursprünglich seine Existenz auf Regalen und in Schaukästen beenden. Doch RC2 plante eine Modellauto-Serie von einer Million und stellte dem Kalifornier so viel Lizenzgebühren in Aussicht, dass Foose in Zusammenarbeit mit Metalcrafters, einer kalifornischen Karosseriewerkstatt, eine Mini-Serie von 50 Hemisfears in Angriff nehmen konnte. Für den Basispreis von 298 000 Dollar bekommt der exklusive Käufer dann schon einiges geboten – wahlweise einen 392 Chrysler Hemi mit gewaltigen 540 PS oder einen aufgeladenen 550 PS Ford V8, der auch schon den legendären Ford GT antreiben durfte, einen Space-Frame-Rahmen und ein Gewicht von unter 1 300 Kilogramm, was dem Piloten wohl die Furcht Gottes unter den Brioni-Hosenboden jagen dürfte.

Was man als (kostenpflichtige) Option sonst noch so alles in den Zweisitzer einbauen kann und welche Farbalternative infrage kommt, darf der betuchte Autokäufer bei einer Audienz mit Herrn Foose höchstpersönlich entscheiden. Der Kaufpreis dürfte dabei nicht unerheblich in die Höhe gehen, aber das sind die Kunden selbst deutlich weniger exklusiver Automobile ja durchaus gewohnt.


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