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HANDELSBLATT, Donnerstag, 8. Mai 2008, 08:30 Uhr
Erst der Käfer übertraf 1972 den Weltrekord der Tin Lizzy

Ford T-Modell: Uropas „Golf“ wird 100

Es gibt nur ein einziges Automobil, das als Urahn der Massenmotorisierung gelten kann. Die Tin Lizzy, das T-Modell von Ford war es, mit dem vor 100 Jahren in den USA das Zeitalter des Autos für Jedermann begann.



Ford T-Modell
Bild vergrößern Ähnlichkeit mit einer Kutsche - das Ford T-Modell hat wenig mit dem Aussehen heutiger Fahrzeuge gemein. (Bild: Haupt/dpa/tmn)

dpa/tmn DETROIT. Die Mannen um Firmengründer Henry Ford hatten den Plan, ein Auto zu konstruieren, das in jeder Hinsicht einfach war: das sich einfach herstellen, reparieren und bedienen ließ und auch günstig war. Schon optisch erinnerte das Gefährt eher an eine klassische Kutsche.

Die Bedienungselemente beschränkten sich ebenfalls auf das Nötigste. Die Startprozedur war ein echter Kraftakt, bei dem zunächst ein paar Hebelchen zu bedienen waren. Danach galt es, kräftig an einer Kurbel zu drehen, um den Motor in Schwung zu bringen und ihn zum Start zu bewegen - die ständige Gefahr von Zerrungen oder gar Knochenbrüchen beim Herumwuchten der Kurbel inbegriffen.

Auch das Fahren dürfte für verwöhnte Autobesitzer von heute ein Problem darstellen. Zwar gab es ein Lenkrad. Die drei Pedale auf dem Boden aber waren nur sehr entfernte Verwandte der heutigen Kupplungs-, Brems- und Gaspedale. Beim T-Modell wurde mit einem Hebel am Lenkrad Gas gegeben. Die Handbremse fand sich in Form eines Stocks ebenfalls in der Nähe des Steuers. Die Pedale dienten jedoch dazu, die Gänge einzulegen und die Ausgangswelle des Getriebes abzubremsen.

Ford versprach sich Gewinne durch große Stückzahlen mit günstigen Einstiegspreisen. Das T-Modell startete daher auch zu Preisen von weniger als 900 Dollar. Und während Preiserhöhungen mittlerweile bei nahezu jedem Produkt mit der Zeit üblich sind, wurde der Ford für die Massen im Laufe der Produktionszeit immer günstiger. Das wiederum hatte mit einer weiteren Idee Henry Fords zu tun, die eine Produktion in großen Stückzahlen überhaupt erst möglich machte. Mit dem T-Modell begann auch das Zeitalter der Fließbandfertigung. Von 1914 an sorgte eine rationalisierte Fertigung für kürzere Bauzeiten. Bis zu 9 000 Autos sollen in guten Zeiten an einem Tag gebaut worden sein.

Ideen zur Verbesserung der Produktion führten dazu, dass der Preis des T-Modells bis 1922 auf nur noch 300 Dollar sank. Ein günstiger Preis ist natürlich an sich schon ein recht sicherer Weg zum Erfolg. Tatsächlich überzeugte das einfach konstruierte T-Modell auch noch auf andere Weise. Die schon bei der Entwicklung geforderte Einfachheit führte auch im täglichen Betrieb dazu, dass Defekte oft mit simpelsten Hilfs- oder Hausmitteln zu reparieren waren.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: 20 PS aus 2,9 Litern Hubraum


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