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HANDELSBLATT, Samstag, 3. Mai 2008, 09:19 Uhr

Ingo Körber testet erstmals seinen neuen VW Typ 3 "Hot Chocolate". Der Wagen aus den Sechzigern könnte die Viertel-Meile unter zwölf Sekunden schaffen. Im Alltag fährt der 36-Jährige einen Audi A6 Avant TDI. Und hält den RS6 durchaus für rennstreckentauglich: "Ich würde ihm eine 13er-Zeit zutrauen", sagt Körber. Damit wäre der Audi in der Einstiegsklasse gut aufgehoben. Die dort startenden Autos sind zwar auf dem Papier straßenzulassungstauglich, in Wahrheit aber von der Serie meilenweit entfernt. Der Audi punktet dagegen mit schierer Leistung, die die Kraft auch ohne Slicks auf die Straße bekommt. Aber das macht keinen Dragster-Piloten glücklich: Für einen echten Racer ist der Audi mit seinen zwei Tonnen Leergewicht viel zu schwer: "Wenn er leichter wäre, könnte er ganz andere Zeiten fahren", sinniert Körber.

Der RS6 wäre nach einer Diät seine Allrounder-Qualitäten natürlich los. Schließlich verkauft Audi den Sportkombi zuallererst als seriösen Geschäftswagen, der seinen Fahrer gleichermaßen zügig und entspannt über die Autobahn kutschiert. Das gilt zumindest in der Fahrstufe "D", in der der Audi so ziemlich alles kann. In der Fahrstufe "S" hält der Motor stur 6 000 Umdrehungen, bis der Fahrer richtig hart aufs Gas tritt. Und dann lässt es sich der Sechs-Gang-Automat nicht nehmen, bei Zeiten in den nächst kleineren Gang zu schalten und die volle Leistung des V10 bei der leisesten Gemütsregung des Fahrers in Schub umzusetzen.

Dass ein Auto noch vehementer loslegt, ist zumindest im Straßenverkehr ungehörig. Doch was mit entsprechend reduziertem Gewicht möglich ist, zeigt die Flotte von Rennkäfern. Wegen seines geringen Gewichts ist der kleine Klassiker ein beliebter Gegner für die amerikanischen Hubraumriesen. Außerdem hat er den Motor auf der Hinterachse sitzen, das ist gut für den Anpressdruck. Jens Böhmig hat in seinem 600 Kilogramm leichten Käfer Baujahr 1967 einen aufgebohrten Motor aus dem VW-Porsche 914 mit über 200 PS samt kurz abgestimmtem Getriebe verbaut. Seine Bestzeit auf der Viertel-Meile: 12,08 Sekunden. Für den Laien übersetzt heißt das: 0-100 km/h in unter drei Sekunden, keine Chance für den RS6.

Beim Start sieht es so aus, als würde der Käfer von einem Katapult geschleudert. "Auf der Ziellinie rennt er dann bei Höchstdrehzahl knappe 180 km/h", sagt Böhmig. Für den Banker und ehemaligen Profi-Surfer kommt kein anderes Auto infrage: "Ich habe schon mit 16 an meinem ersten Käfer geschraubt", sagt der 35-Jährige. Restaurieren reichte irgendwann nicht mehr, vom einfachen Tuning kam Böhmig schließlich zum Dragster-Rennen. Rund 30 000 Euro stecken in dem Käfer, die laufenden Kosten sind relativ gering: "Ich fahre seit vier Saisons den gleichen Satz Reifen", sagt Böhmig.

Und so reist er einmal im Monat aus der schwäbischen Heimat in Waiblingen zum Testen nach Bitburg. Anfahrt viereinhalb Stunden über die Autobahn. Wenigstens das würde der RS6 deutlich schneller schaffen.


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