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HANDELSBLATT, Montag, 14. April 2008, 08:00 Uhr
Klimaanlagen mit Sensoren helfen beim Spritsparen

Gut gekühlt ohne schlechtes Gewissen

Von Chris Löwer

Was viele Autofahrer nicht wahrhaben wollen, ist Realität: Die Klimaanlage zählt zu den heimlichen Spritfressern. Luft fördern, filtern, kühlen, temperieren und verteilen kostet reichlich Energie.


DÜSSELDORF. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) verweist auf einen Sprit-Mehrverbrauch von 10 bis 15 Prozent durch den Betrieb einer Klimaanlage. Moderne Geräte sollen in Zukunft helfen, diesen Wert zu verringern. Das Einsparpotenzial dabei ist enorm.

Der Automobil-Zulieferer Delphi setzt bei der Entwicklung neuer Klimaanlagen vor allem auf Gewichtsreduktion: Leichtere Kühlaggregate haben einen geringeren Strömungswiderstand. Das Kühlgebläse kommt dann mit weniger Strom aus. Außerdem soll eine präzise Steuerung des elektrischen Kühlmittelventils dafür sorgen, dass allein dadurch bis zu drei Prozent weniger Sprit verbraucht werden. "Beim Herz der Klimaanlage, dem Kompressor, geht der Trend zu leichteren, kleineren und geregelten Systemen", sagt Michael Neumann, Marketing-Direktor bei Delphi Thermal Systems Europa. "Wenn alle Möglichkeiten genutzt werden, kann der Kraftstoffverbrauch für den Kompressor etwa um 0,2 bis 0,3 Liter auf 100 Kilometer gesenkt werden", sagt Neumann. "Die Herausforderung ist, emissionsärmere Klimaanlagen zu entwickeln, ohne Abstriche beim Komfort machen zu müssen."


» Flash-Animation: In kleinen Schritten zum Sparmobil


Delphi
Chart: Delphi

Der Wettbewerber Bosch setzt bei der Entwicklung effizienter Klimaanlagen einen Schritt weiter vorne an. Die Idee: Die Anlage soll per Sensor automatisch nach Bedarf arbeiten. Üblicherweise läuft der Kompressor der Klimaanlage immer, egal wie hoch die Temperatur im Innenraum ist. "Das muss nicht sein", sagt Thomas Knoll von Bosch. Ist es draußen heiß, genügt es, wenn die Luft einmal abgekühlt wird und dann im Umluftbetrieb im Innenraum zirkuliert. Der so genannte Climate Control Sensor (CCS) misst dabei den Kohlendioxidanteil der Luft im Innenraum.

Effekt: Die Klimaanlage leistet automatisch weniger, wenn die Luft wie gewünscht temperiert ist. Wenn ein kritischer CO2-Wert im Innenraum erreicht ist, wird Frischluft von außen hereingeholt und nur so viel gekühlt wie nötig. Das spart Energie. Bei Testfahrten in der Hitze Südeuropas haben die Entwickler den Sprit-Verbrauch um einen halben Liter auf 100 gefahrene Kilometer drücken können. Eine modifizierte Variante des Sensors ermittelt zudem Luftfeuchte und Temperatur.

Der Sensor wird bereits in kleinen Stückzahlen an die Entwicklungsabteilungen der Autohersteller geliefert. Wahrscheinlich werden erste Fahrzeuge bereits in diesem Jahr damit ausgestattet. Dabei muss es sich nicht unbedingt um Neuwagen handeln. "Selbst heutige Klimaanlagen lassen sich mit dem Sensor nachrüsten", sagt Knoll.

Ein weiteres Umweltproblem sind die in Klimaanlagen verwendeten Kältemittel. Sie sind zwar, wie bei jedem neuen Kühlschrank, inzwischen frei von sogenannten Treibhausgasen, aber immer noch nicht umweltfreundlich. Die Europäische Union fordert ab 2011 die Verwendung einer schonenderen Alternative, bis der Kältemittel-Einsatz in seiner bisherigen Form 2017 komplett verboten sein wird. Der Hersteller Delphi untersucht derzeit in der Luxemburger Forschungsabteilung mögliche Ersatzstoffe, darunter auch CO2.

So widersinnig es klingt: Das als Klimakiller geächtete Kohlendioxid könnte in Zukunft helfen, die Umwelt zu schonen. Denn das Gas bewegt sich in einem geschlossenen System, aus dem über Jahre hinweg nur geringe Mengen entweichen. Doch die Entwicklung ist derzeit noch zu kostspielig.


» Verwirrendes Technik-Denglisch: Was steckt hinter Begriffen wie AdBlue, Flexfuel, Mild-Hybrid und Bluetec?



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