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08.07.2006 

Dasselbe gilt für Kostolanys Notizen „Mehr als Geld und Gier“. Der 1999 kurz vor dem Höhepunkt der Internet-Aktienblase verstorbene Meister der Börsenspekulation steht ebenfalls für das einfache Investieren. Noch in seinen letzten Talkshows wetterte er wortgewaltig und gestenreich gegen überteuerte Technologie-Titel, denen er den baldigen Absturz prophezeite. Der Spekulant, Schriftsteller und Journalist beherrschte aber nicht nur die einfache Sprache, sondern glänzte mit unverwechselbarem amüsant-humorvollem, leicht ironischem, aber nie verletzendem Erzählstil. Sein Studium der Philosophie und Kunstgeschichte erleichterten es dem Deutsch-Ungarn, weit über den Börsen-Tellerrand hinauszuschauen, allzu menschliche Verhaltensweisen zu interpretieren und daraus klare, stets einfache Verhaltensregeln abzuleiten.

Dazu gehören altbekannte Weisheiten wie „Der Markt hat immer Recht“ ebenso wie psychologische Betrachtungen über das wichtigste Börsenmedium – das Geld. So einfach die zahlreichen Regeln von Kostolany auch klingen, genauso schwer sind sie in der Praxis umzusetzen – ein Phänomen, das der Altmeister mit der Eigendynamik der „Masse“ und dem von ihm exzellent beschriebenen Herdentrieb an der Börse erklärt. Mit nichts hat der gemeine Anleger größere Schwierigkeiten, als sich eigene Fehler einzugestehen und dafür nicht dem Markt, sondern sich selbst die Schuld zu geben. Geradezu bestechend einfach sind zudem Kostolanys Erklärungen für scheinbar unlogische Muster wie steigende Börsen, wenn „die Kanonen donnern“ und die Kurse eigentlich fallen müssten.


»Aktien kaufen - und sich dann für lange Zeit schlafen legen:
Die besten Zitate von Börsen-Altmeister Andre Kostolany.


Gemäß der Devise „Manchmal ist es besser, ein Faultier zu sein als ein Fuchs“ liefern auch die Börsen(alt)meister Taylor Larimore, Mel Lindauer und Michael LeBoeuf eine Ode an Otto Normalinvestor. Der Anfänger kommt besser weg als schillernde Genies. Maxime ist der Gewinn mit einfachen Mitteln, wofür der „Bogleheads Guide“ steht. Der Name geht auf John C. Bogle zurück, den Gründer des Indexfonds-Pioniers Vanguard. Diese steuerbegünstigten Fonds kosten kaum Gebühren, weil sie ohne teure Manager auskommen. Sie bilden „nur“ eins zu eins einen Börsenindex wie den Dax ab – und schlagen so die Mehrheit der gut bezahlten Fondsmanager.

Die drei Autoren verbinden Tipps, warum sich einfache und kostengünstige Strategien für den Anleger auszahlen, mit Weisheiten à la Kostolany und Buffett. Ihr Motto bleibt dem der ganz großen Altmeister treu: Sie liefern Investmentideen für jedermann mit wenig Zeit, Wissen und Fertigkeiten.

Buchtipps:

WARREN BUFFETT:
Essays von Warren Buffett – Das Buch für Investoren und Unternehmer
Finanzbuch Verlag, München 2006, 299 Seiten, 34,90 Euro.

TAYLOR LARIMORE, MEL LINDAUER, MICHAEL LeBOEUF:
The Bogleheads’ Guide to Investing
John Wiley & Sons, New Jersey 2006, 307 Seiten, 24,95 Dollar.

ANDRÉ KOSTOLANY:
Mehr als Geld und Gier, Kostolanys Notizen
Finanzbuch Verlag, München 2006, 171 Seiten, 16,90 Euro.


» Die Handelsblatt-Anleger Akademie:
Wie Sie Ihr Geld vermehren können – eine Anleitung.


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