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22.05.2008 
Exklusiv-Interview

„Die Nachfrage treibt den Preis“

Shell-Finanzchef Peter Voser zeigt sich überrascht vom starken Anstieg des Ölpreises in den vergangenen Wochen und Monaten. Im Interview mit dem Handelsblatt widerspricht der Top-Manager Stimmen, die den Höhenflug auf Spekulationen zurückführen und nennt die Faktoren, die den Ölpreis in die Höhe schießen lassen.

Ein Öltanker im Persischen Golf, in der Nähe von Basra, Irak. Foto: ap Lupe

Ein Öltanker im Persischen Golf, in der Nähe von Basra, Irak. Foto: ap

Handelsblatt: Herr Voser, der Ölpreis eilt von Rekord zu Rekord. Halten Sie Prognosen, dass er in absehbarer Zeit auf 200 Dollar je Barrel steigen wird, für realistisch?

Voser: Das ist mir zu spekulativ. 2004, als wir unsere langfristige Strategie vorgestellt haben, haben wir gesagt, dass die Öl- und Gaspreise mittel- und langfristig zunehmen werden und haben unser Portfolio darauf ausgerichtet. Den starken Anstieg der Preise in den zurückliegenden Wochen und Monaten haben wir so nicht vorausgesehen.

Was sind denn die Faktoren, die den Ölpreis treiben, aus Ihrer Sicht?

Zuerst einmal hat die Nachfrage enorm zugenommen, das treibt natürlich den Preis. Dann spielen Fragen der Sicherheit sowie politische Faktoren eine Rolle, in Nahost etwa oder in Nigeria. Die Volatilität in den Aktienmärkten treibt relativ viel Geld in die Rohstoffmärkte; das hat einen gewissen Preisdruck nach oben ausgelöst. Man kann das Spekulation nennen, ich nenne das einfach eine Umschichtung von Investitionen von einem Markt in den anderen.

Welchen Ölpreis legen Sie heute ihren Investitionsentscheidungen zu Grunde?

Früher war es so, dass wir einen Preis als Hauptplanungsgröße hatten. Heute arbeiten wir wegen der volatilen Preise mit drei Planungszahlen, mit einem Tiefpreisszenario, einem mittleren und einem Hochpreisszenario.

Wie hoch ist denn das Hochpreisszenario?

Das sagen wir nicht, um nicht zu viel kommerzielles Wissen preiszugeben.

Bei den großen Ölkonzernen steigt die Produktion im Moment nur sehr langsam, wenn überhaupt. Warum kommen Sie trotz der Milliardeninvestitionen nicht rascher voran?

Sie dürfen die Reaktionszeiten nicht vergessen. Ende der Neunzigerjahre kostete das Barrel Öl lediglich zehn Dollar, da haben alle ihre Investitionen drastisch zurückgefahren. In dieser Niedrigpreisphase haben wir acht Milliarden Dollar im Jahr investiert, heute sind es 30. Es dauert sechs bis acht Jahre, bis die Produktion nach einem Investitionsschub so richtig ins Rollen kommt. In den Neunzigerjahren haben die Konzerne massiv Personal abgebaut, vor allem auch im technischen Bereich. Das führt zu einer sinkenden Produktionskurve. Das zu korrigieren, benötigt Zeit.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Auswirkungen der hohen Rohstoffkosten

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