Zu den grundlegenden Daten, die die Ölpreise nach oben treiben, zählt der unerwartete Abbau der US-Lagerbestände. Hier wie bei anderen Rohstoffen fällt zudem vor allem die unverändert starke Nachfrage der Schwellenländer (Emerging Markets) ins Gewicht. Laut LBBW haben Chinas Ölimporte im März ungeachtet hoher Preise mit 4,07 Mill. Barrel am Tag einen Rekordwert erreicht. „Auf China entfällt ein weitaus größerer Anteil der globalen Nachfrage als auf die USA“, stellt Patrick den Besten, Manager des ING-Rohstofffonds Invest Materials, mit Blick auf die gesamten Rohstoffmärkte fest. Schwellenländer wie China hätten sich seit Anfang 2000 zu wichtigen Nachfragetreibern entwickelt.
Der Preiserhöhung des Rohöls, der Metalle und Edelmetalle sind die Agrarmärkte mit einiger Verzögerung gefolgt. Auch hier spielt – neben der steigenden Weltbevölkerung – China eine wesentliche Rolle. Denn mit zunehmendem Wohlstand wachsen die Ansprüche der Verbraucher, ändern sich ihre Ernährungsgewohnheiten. Der Trend geht weg von vegetarischen Produkten hin zu Fleisch. Laut Goldman Sachs hat sich dies bereits in einem Anstieg der jährlichen Futtermittelnachfrage um etwa 1,7 Prozent niedergeschlagen. Die geänderten Ernährungsgewohnheiten führen somit zum Wettbewerb um die begrenzt vorhandenen landwirtschaftlichen Flächen.
Dieser Konkurrenzkampf wird durch den drastisch gestiegenen Ölpreis verstärkt. Zum einen sind die Kosten für die Lebensmittelproduktion kräftig gestiegen, zum anderen lockt der lukrative Anbau etwa von Mais oder Raps für die Biospritproduktion. „Während sich manche Sorgen machen, wie sie ihren Tank füllen, kämpfen viele andere darum, wie sie ihren Magen voll bekommen“, bringt Weltbank-Präsident Robert Zoellick die Entwicklung auf den Punkt.
