Chinas Bürger werden, so auch die Ansicht anderer Experten, mit steigendem Wohlstand in Zukunft ihre Ernährungsgewohnheiten ändern und nicht nur mehr, sondern auch besser essen wollen. Da Peking bekanntlich über gigantische Währungsreserven verfügt, ist die Beschaffung von agrarischen Rohstoffen und Lebensmitteln auf den Weltmärkten für das Reich der Mitte einfacher als für die ärmeren Länder in der Welt. Da Chinas Führung nicht zuletzt im Hinblick auf die anstehende Olympiade soziale Unruhen vermeiden will, wird der Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln absolute Priorität eingeräumt.
Nicht umsonst investiert China seit Jahren riesige Beträge in den Erwerb von Farmland in Lateinamerika und anderen Weltregionen. Und auch in China sollen die Agrarflächen effizienter genutzt werden. „Sehr wichtig ist der Erhalt des Farmlandes", sagt Li Guoxiang, der mit Sorge beobachtet, dass diese Flächen während der Industrialisierung immer stärker zur Errichtung von Industrieparks und Wohnflächen genutzt werden.
In den vergangenen acht Jahren hat die mit der Landflucht einhergehende Urbanisierung dazu geführt, dass China jeweils ein Prozent seiner agrarischen Anbaufläche – das entspricht immerhin der Größe von Belgien und den Niederlanden – verloren hat. Kein Wunder, dass Pekings Politiker den Bauern Anreize bieten, den Herstellung von Getreide und anderen Agrarprodukten zu erhöhen. Analysten äußern sich besorgt, dass die von Peking in diesem Kontext gebotenen Subventionen nicht ausreichen. Während die finanziellen Hilfen in China nur fünf Prozent des Einkommens der Landwirtschaft betragen, liegt dieser Anteil in westlichen Ländern bei mehr als 50 Prozent.
Jeff Currie, Rohstoff-Analyst bei Goldman Sachs, hat seine Agrarpreisprognosen für die kommenden zwölf Monate vorgelegt. Der Experte geht davon aus, dass sich der Preisanstieg fortsetzen wird. Die größte Verteuerung erwartet er bei Sojabohnen und Mais, also jenen Rohstoffen, die zur Herstellung von Biotreibstoffen genutzt werden.
