Der Vergleich mit dem schwarzen Gold passt. Denn weil es immer weniger bekannte Erzvorkommen gibt, hat jetzt ein Bieterstreit um die letzten verfügbaren Konzessionen und Minen eingesetzt, zum Beispiel in Serra Azul. Vor zwei Monaten kaufte der brasilianische Stahlproduzent Usiminas in der Nähe von Itaúna eine Mine für 1,8 Mrd. Dollar. Fünf weitere Konzerne haben inzwischen eine weitere Mrd. Dollar in der Region investiert. Das Karussell dreht sich immer schneller: Anglo-American erwarb vor zwei Monaten für 5,5 Mrd. Dollar zwei Erzminen des brasilianischen Börsen-Newcomers MMX – zum dreieinhalbfachen Preis wie noch vor eineinhalb Jahren. Eine der Minen soll MMX in Serra Azul seinerzeit gar nur für 100 Mill. Dollar gekauft haben. Drei Mrd. Dollar kassierte der Kontrolleur Eike Batista alleine – obwohl die Minen bislang kaum Erz fördern – und ist damit auf einen Schlag zu einem der reichsten Menschen Brasiliens geworden.
Der Grund für den Boom in der Serra Azul: Die Konzerne kaufen lieber für teures Geld lieferbereite Minen, als selbst Vorkommen zu erschließen. Denn mit funktionierenden Bergwerken können sie schneller ihre Produktion erhöhen, als für entdeckte Vorkommen die Genehmigungen einzuholen und den Abbau und die Logistik erst anzukurbeln. Denn das dauert. Und bis dahin könnte der Eisenerzboom seinen Höhepunkt schon überschritten haben.
Schließlich locken die hohen Preise neue Investoren an und die werden die Produktion weiter ausbauen. Die Quellen an Eisenerz sind zahlreich auf der Welt. „In Brasilien gibt es Erz in Hülle und Fülle, sagt Hans-Ulrich Lindenberg, der für ThyssenKrupp gerade in Brasilien ein Stahlwerk baut, „aber die Häfen, die Schienen und sonstigen Transportwege sind ausgelastet."
