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29.10.2007 

Spekulanten verzerren Preis

von Dirk Heilmann, Udo Rettberg und Ulf Sommer

Glaubt man jetzt der Mehrheit der Öl-Experten, dann ist in den heutigen Rohölpreisen eine „Spekulationsprämie“ von zehn bis 20 Dollar je Barrel enthalten. Doch selbst wenn dieser Aufschlag wegfällt: 50 Dollar wird das Barrel wohl nie mehr kosten. Welche Branchen von den hohen Preisen profitieren - und welche leiden.

Ölhändler an der Rohstoffbörse in New York. Foto: apLupe

Ölhändler an der Rohstoffbörse in New York. Foto: ap

LONDON/FRANKFURT/DÜSSELDORF. Politische Spannungen zwischen den USA und Iran haben den Ölpreis auf ein Rekordhoch getrieben. Sorgen über die Ölversorgung heizten Spekulationen an, dass der Ölpreis schon bald die 100-Dollar-Marke überschreiten könnte.

Einig sind sich Öl-Experten nur in einem: Kaum eine Anlageklasse ist so schwer zu prognostizieren wie das schwarze Gold. Deshalb ist es umso wichtiger, Mehrheits- und Mindermeinungen zu berücksichtigen. Zumindest in den vergangenen Jahren behielt stets das kleine Lager der Skeptiker recht, das rasant steigende Ölpreise prophezeit hatte.

Glaubt man jetzt der Mehrheit, dann ist in den heutigen Rohölpreisen eine „Spekulationsprämie“ von zehn bis 20 Dollar je Barrel enthalten. Damit ist gemeint, dass vor allem Sorgen und Ängste den Preis hochhalten. Dementsprechend sollten die Preise in Zukunft sinken.


» Infografik: Welche Faktoren den Ölpreis seit 1970 antreiben


Zum Wochenbeginn stieg in New York der Preis für die US-Sorte West-Texas Intermediate (WTI) erstmals über die Marke von 93 Dollar gestiegen. In Europa kostete die maßgebliche Sorte Brent am Montag zum ersten Mal mehr als 90 Dollar. Neben den Spannungen in Iran verunsicherte die Situation in Nigeria. Hier wurde ein Öltanker des italienischen Eni-Konzerns von Bewaffneten angegriffen. Im größten Ölförderland Afrikas kommt es immer wieder zu Angriffen auf die Ölindustrie. Ursache ist ein Streit zwischen Ölkonzernen und Gemeinden um die Verteilung des Ölreichtums.

Am Markt hieß es, vor dem Hintergrund der politischen Spannungen fließe immer mehr spekulatives Geld in die Energiemärkte. „Nach der Subprime-Krise haben zahlreiche Pensionskassen und andere institutionelle Investoren die Rohstoffmärkte als Alternative für Kapitalanlagen entdeckt“, sagt Wolfgang Kraus von der Bayerischen Landesbank.

Die Rohölpreise dürften sich deshalb kaum auf dem hohen Niveau halten, meinen die meisten Rohstoff-Analysten. Bei einer Entspannung der politischen Lage dürfte ein Teil der Risikoprämie wieder abgebaut werden. Der Durchschnittspreis für das Jahr 2008 wird von den 15 vom Handelsblatt befragten Experten beim amerikanischen WTI-Öl im Jahresmittel bei 70,25 Dollar je Barrel gesehen. Das wäre ein Rückgang um fast ein Viertel. Für die beiden folgenden Jahre wird dann von den meisten Fachleuten mit einer weiteren Entspannung der Lage und einem Preisrückgang unter 65 Dollar gerechnet.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Renditen von mehr als zehn Prozent

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