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27.04.2008 
Rohstoffe

Korrektur bei Metallpreisen ist ausgeblieben

von Dieter Claassen

Metalle wie Kupfer notieren derzeit an der Londoner Metallbörse ausgesprochen fest. Die Minenbetreiber sind wegen der starken Nachfrage sehr optimistisch für die weitere Preisentwicklung. Doch das gilt längst nicht für jedes Metall.

LONDON. Kupfer, das meistgehandelte Industriemetall, erreichte dieser Tage mit 8 880 US-Dollar je Tonne ein neues Preishoch. Auch die übrigen Metalle notieren derzeit an der Londoner Metallbörse, LME, ausgesprochen fest. Das scheint den Optimismus von Jim O'Neill von Goldman zu bestätigen. Er rechnet wegen des anhaltend robusten industriellen Wachstums in den Schwellenländern Asiens - insbesondere für China ist seine Prognose positiv - immer noch mit einem Welt-Wirtschaftswachstum von etwa 3,6 Prozent für 2008 - nur 0.9 Prozent weniger als der Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. "Von einer Rezession sind wir damit noch weit entfernt", sagt er.

Dieser Meinung sind anscheinend auch die Spekulanten an den Metallbörsen in London, Shanghai und New York. Sie engagieren sich an diesen immer wieder aufs Neue in Haussekontrakten, wenn ihnen kurzfristige Preisrückgänge neue Einstiegschancen signalisieren. Doch Rekordpreise? Das treffe nur im abgewerteten Dollar zu, wie Kritiker meinen. Kaum ein Analyst mache sich nämlich die Mühe, die Preise in Euro oder einem repräsentativen Währungskorb auszurechnen. Indessen müssen Marktteilnehmer aus dem Euroraum ihre Dollarpreisgewinne an den Metallmärkten seit Mitte 2007 um fast ein Fünftel wegen der seitdem eingetretenen Abwertung der US-Währung bereinigen.

Die Minenbetreiber stellen derzeit den größten Optimismus über die weitere Preisentwicklung in ihrem Sektor zur Schau. "Kupfer verspricht dabei zum größten Gewinner zu werden", meint Owen Hegarty, Chef des australischen Bergbauunternehmens Oxiana. Hegarty nennt dafür als Hauptgrund die wahrscheinlich noch Jahre andauernde boomende Nachfrage Asiens. Delegierte auf einer Kupferkonferenz in Chile spekulierten denn auch dieser Tage über einen Preis von bald etwa 10 000 Dollar je Tonne. Dabei hatten sie schon die Produktionsausfälle in ihrem Gastland durch Stromengpässe vor Augen. In Chile liegen derzeit etwa 40 Prozent des weltweiten Kupfervorkommens.

Kevin Norrish wird indessen nicht müde, auf die wachsenden Produktions- und Erweiterungsprobleme des gesamten Bergbausektors weltweit hinzuweisen. Es mangele dabei nicht nur an Strom für die laufende Produktion, sondern auch an Fachpersonal, Maschinen und Kapital für die Erschließung neuer Kapazitäten. "Die Vorlaufzeiten und Kosten für die Eröffnung neuer Minen haben gewaltig zugenommen."

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Welche Metalle sich für Anleger lohnen könnten.

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