Merrill-Lynch-Gebäude in New York: Die Hypothekenkrise setzt der US-Investmentbank arg zu. Foto: dpa
Es vergeht fast kein Tag mehr, ohne dass sich ein weiterer Staatsfonds in der Wall Street einnistet. Zuletzt war Merrill Lynch
der Adressat. Und die Wohltäterin ist die Regierung von Singapur, die zwei Fonds unterhält, die bereits die Kapitallage bei UBS
und Barclays
aufgepolstert und sich an Standard Chartered
beteiligt haben.
Das legt nahe, dass sich John Thain, der neue Chef von Merrill Lynch
, beim Aufräumen mit den Verlusten der "Donnernden Herde" im vierten Quartal nicht zurückhalten wird. Das Wertpapierhaus hatte im dritten Quartal 8,4 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit Subprime-Wertpapieren und CDOs, also mit Wertpapieren, die mit einem Pool von Anleihen, Krediten und anderen Vermögenswerten unterlegt sind, abgeschrieben und damit zweimal so viel wie ursprünglich geschätzt. Der Vorgänger von Thain, Stan O?Neal, musste daraufhin den Chefsessel räumen.
Und jetzt sieht es ganz so aus, als ob Merrill Lynch
noch einmal Feuer an einen vergleichbaren Betrag legen würde. Wenn die Firma ihr Inventar an strukturierten Finanzprodukten in ähnlicher Weise bewertet wie dies der Konkurrent Morgan Stanley
getan hat, dann muss Merrill weitere 7,6 Milliarden Dollar vom geschätzten Wert ihrer Bestände abziehen, rechnet Credit Suisse
vor. Dazu käme eine weitere halbe Milliarde Dollar, um den Wertverlust ihrer zugesagten Übernahmefinanzierungen zu berücksichtigen.
Was Thain anbelangt, sieht es wie ein einfach zu lösendes Problem aus, die Bestände von Merrill zumindest so aggressiv wie Morgan Stanley
abzuwerten. Das würde ihm eine saubere Palette an die Hand geben, mit der er die Farben neu mischen und sein Modell der Erholung skizzieren könnte. Das was ihm hauptsächlich Zwänge auferlegt, ist das Kapital. Werden noch einmal acht Milliarden Dollar aus den Schatullen von Merrill gestrichen, dann wäre die Bank möglicherweise die schwächste der Wall-Street-Gang.
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