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20.05.2008 
Stabiler als erwartet

Marks & Spencer wurde genug bestraft

von John Foley, breakingviews.com

Der Aktienkurs des britischen Einzelhändlers Marks & Spencer hat sich innerhalb eines Jahres beinahe halbiert. Gründe dafür sind besonders Absatzschwäche und Pfusch in der Unternehmensführung. Dies stellte den Glanz des ersten Milliardengewinns seit zehn Jahren in den Schatten. M&S könnte allerdings stabiler sein, als die Investoren glauben.

Zum ersten Mal seit zehn Jahren erreichte der Vorsteuergewinn von Marks & Spencer eine Milliarde britische Pfund. Doch drei Dinge trübten diesen symbolträchtigen Erfolg. Erstens ist durch die Inflation eine Milliarde nicht mehr das, was sie einmal war. Zweitens übertraf M&S die Marke nur durch einen unerwarteten Rückgang seiner Zinslasten. Und drittens feiert niemand mit. Der M&S-Aktienkurs halbierte sich fast innerhalb eines Jahres.

Den größten Teil des Jahres 2007 war M&S ein Börsenliebling, dank der Früchte des Umschwungs, den Firmenchef Stuart Rose eingeleitet hatte. Doch im Januar brachte eine Konsumschwäche den Textilabsatz von M&S abrupt zum Erliegen. Durch die seltsame Entscheidung, Aktien für 556 Millionen Pfund über dem Marktniveau zurückzukaufen, verloren die Aktionäre Millionenwerte. Zuletzt schließlich musste M&S Stuart Rose verschämt die Doppelrolle eines Aufsichtsrats- und Vorstandsvorsitzenden antragen, weil man keinen vernünftigen Nachfolger gefunden hatte.

Nun sieht es so aus, als wäre M&S genug bestraft. Die Dinge werden zwar nicht viel leichter, wegen des schwierigen Textilmarktes dürften die Bruttomargen bei M&S in diesem Jahr bestenfalls stagnieren. Auch eine die Mittelklasse betreffende Konsumentenkredit-Klemme würde die Firma hart treffen. Es bleibt zudem zweifelhaft, ob es weise ist, während eines Abschwungs die Zahl der neuen Geschäfte um fünf Prozent zu erhöhen.

Doch M&S verfügt im Gegensatz zu vielen anderen Einzelhändlern über Flexibilität. Die Firma kann durch Aktienrückkäufe Geld auf die Seite legen, oder aber freie Mittel generieren, indem das Tempo der Neueröffnungen gedrosselt wird. Zudem kann bei Lieferanten die Preisschraube heftig angezogen werden. Dies ist eine kontroverse, von den Wettbewerbern gerne genutzte Methode, der sich M&S bislang verweigerte. Darüber hinaus verfügt die Firma über Grundbesitz im Wert von fünf Milliarden Pfund, bei einer Marktkapitalisierung von 6,6 Milliarden Pfund. Anleger brauchen nicht länger Schaum vor dem Mund haben.

Keine Frage, M&S hat sich viel vom derzeitigen Ungemach selbst zuzuschreiben. Doch wenn die Aktien mit dem zehnfachen der nächstjährigen Gewinne gehandelt werden, sind im Kurs schon viele schlechte Nachrichten eingepreist. Als M&S das letzte Mal einen Vorsteuergewinn von einer Milliarde Pfund erreichte, stand das Unternehmen am Rande eines Kollaps, der den Aktienkurs um zwei Drittel einbrechen ließ und fast das Ende bedeutet hätte. Dieses Mal könnte M&S das Schlimmste schon hinter sich haben.

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breakingviews.com
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