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HANDELSBLATT, Freitag, 19. November 2004, 15:59 Uhr
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Brüllende Aggregate? Fehlanzeige! Elektronisch gesteuerte Magnete im Beton-Fahrweg bringen den Zug ohne Lärm aufs Tempo. Lautlos ist der Transrapid deshalb allerdings nicht: Draußen, am aufgeständerten Fahrweg, macht der enorme Luftwiderstand die vorbeirasende Bahn für Sekundenbruchteile zum donnernden Tiefflieger.

Nur 35 Sekunden dauert der Rausch von 430 km/h, dann wird der Transrapid merklich langsamer. Plötzlich ein kurzes Wusch, eine leichte Druckwelle – dann ist’s schon wieder vorbei: Mit 350 Sachen ist gerade der Gegenzug vorbeigeschossen. Keine Chance, ihm hinterherzublicken – er ist schon weg.

Langsamer und langsamer wird die Fahrt, scheint sich dem Stillstand zu nähern, doch der Blick auf die Anzeige macht deutlich: immer noch 200 km/h. Dann rollt, nein, schwebt der Zug aus.

Die Long Yang Road Station ist vorerst Endstation. Ein schicker, futuristisch gestalteter, blitzsauberer Bahnhof mit reichlich Edelstahl und Marmor am Nordrand des stürmisch wachsenden Schanghaier Finanzdistrikts Pudong. Über Rolltreppen geht es hinunter zu Taxi-Ständen, Parkplätzen und Bushaltestellen. Nebenan, noch einen Stock tiefer, wartet die U-Bahn, die weiter in das Chaos der 16-Millionen-Stadt hineinführt.

So unspektakulär wie der Ziel- ist auch der Startbahnhof der Transrapid-Strecke im Glaspalast des Airports. Wer die Zollkontrolle als letzte Einreiseprozedur hinter sich hat, muss nur noch auf die Piktogramme achten, die ihn zur „Maglev“, der Magnetbahn, gleich neben der großen Flughafenhalle leiten. Der Rest ist Routine: Ticket kaufen, einsteigen, Türen schließen automatisch. Alle 15 Minuten startet ein Zug an beiden Enden der Strecke zur Sieben-Minuten-Tour.

Stolz verweisen die Konstrukteure von Thyssen-Krupp und Siemens auf die Zuverlässigkeit, die über 99 Prozent beträgt. Der Schönheitsfehler: Bislang betreiben die Chinesen das erste Aushängeschild der deutschen Transrapid-Technologie nur knapp acht Stunden täglich. Doch angesichts ständig wachsender Passagierzahlen soll sich das Anfang nächsten Jahres ändern. Purzelnde Digitalziffern und den kaum wahrnehmbaren Temporausch wird es dann vom frühen Morgen bis zum späten Abend geben.


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