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06.12.2007 
Analyse

Die Inflation, ist sie zurück?

von Olaf Storbeck

Man könnte meinen, derzeit ginge eine makroökonomische Ära zu Ende. Das Zeitalter, das in den frühen Achtzigen begonnen hat und das Volkswirte „great moderation“ nennen – eine lange Periode mit vergleichsweise stetigem Wirtschaftswachstum und vor allem historisch niedriger Inflation. Zerbröselt diese Epoche vor unseren Augen? – eine Analyse.

Die Geldentwertung in Deutschland ist so hoch wie seit 14 Jahren nicht. Im Euro-Raum liegt die Inflation hartnäckig über zwei Prozent, ab der die EZB auf Dauer die Preisniveaustabilität verletzt sieht. Und Verdi-Chef Bsirske fordet daher für den öffentlichen Dienst eine „bedeutende Gehaltserhöhung“.

Die Inflation, ist sie zurück? Droht ein Rückfall in die „Stagflation“ der siebziger Jahre, in die Zeit der wirtschaftlichen Stagnation und gleichzeitiger Inflation? Die klare Antwort lautet: Nein. Es sind Sondereffekte, die die Teuerung nach oben schießen lassen. Weltweit seit mächtige Kräfte am Werke, die die Inflation bändigen.

In Deutschland treibt vor allem die 2007 erhöhte Mehrwertsteuer die Preise. Sie ist für knapp einen Prozentpunkt der Rate verantwortlich. Rund ein weiterer Prozentpunkt geht den starken Ölpreisanstieg und die kräftige Teuerung bei Nahrungsmitteln zurück. Nun könnte man einwenden: Inflation ist Inflation. Ob die Preise wegen von Steuererhöhungen oder anderer Faktoren steigen, spielt doch letztlich keine Rolle, schließlich fehlt Kaufkraft.

Doch so einfach ist es nicht. Volkswirte wissen seit langem: Sie müssen einmalige Veränderungen des Preisniveaus scharf von dauerhaft höheren Inflationsraten trennen. Große Probleme entstehen, wenn die Preise längerfristig übermäßig steigt. Dann verlieren sie ihre Signalfunktion, es findet eine Flucht in Sachwerte statt und es kommt zu einer Umverteilung von Gläubigern zu Schuldnern. Einmalige Preisschübe sind ungefährlich, so lange sie nicht auf das restliche Preisgefüge übergreifen.

Und dafür gibt es wenig Anzeichen. Die Inflationserwartungen sind nach wie vor niedrig; eine Lohn-Preis-Spirale ist nicht Sicht. Der fundamentale Inflationsdruck jenseits der Sondereffekte scheint nach wie vor gering zu sein. So hatte die deutsche Handel offenbar massive Probleme, die höhere Mehrwertsteuer voll an die Verbraucher weiterzugeben. Bei voller Überwälzung wäre die Inflation laut Sachverständigenrat deutlich stärker gestiegen. Auch die Ölpreise sind viel schwächer auf die preis durchgeschlagen, als es nach alten Faustregeln hätte der Fall sein müssen.

Mehrere Faktoren sind dafür verantwortlich. Eine wichtige Rolle spielen die Zentralbanken. Sie bekämpfen seit Dekaden die Inflation früh und haben besitzen eine glaubwürdige Anti-Inflationsreputation. Die Menschen wissen: Wenn Inflation ein Problem werden könnte, schreiten die Notenbanken ein. Zudem hat durch die Globalisierung die Konkurrenz auf dem Gütermarkt zugenommen. Das macht es Firmen schwerer, höhere Preise durchzusetzen. Gleichzeitig sind die Arbeitsmärkte flexibler als vor 30 Jahren. Die Gewerkschaften haben an Einfluss verloren – und an ökonomischem Sachverstand gewonnen.

Daraus folgt: Die Notenbanken stehen nicht vor einem Zielkonflikt. Inflationgefahren sind kein Argument gegen Zinssenkungen, wenn die Finanzkrise sie nötig macht.

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