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HANDELSBLATT, Dienstag, 15. Januar 2008, 13:10 Uhr
Lehmann-Rücktritt

Kommentar: Katholischer Lotse mit einer letzten Mission

Von Klemens Kindermann

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Nach fast 21 Jahren gibt Karl Kardinal Lehmann das wichtigste Amt des deutschen Katholizismus ab. Das hat Bedeutung über die Kirche hinaus.

Lehmann steht seit Jahren für eine offene Kirche, die ihren Mittelpunkt in der Gesellschaft der Bundesrepublik sieht. Dies ist nicht selbstverständlich. In Spanien etwa gerät das langjährige feste Gefüge von Kirche und Gesellschaft gerade aus den Fugen.

Lehmann dagegen war immer Mittler. Bei den heftigen Konflikten um die kirchliche Beteiligung an der Schwangerenkonfliktberatung versuchte der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz zu moderieren, nicht immer öffentlich, aber mit hohem Einsatz. Hintergründig ging es dabei auch um die Naht zwischen Kirche und Gesellschaft.

Lehmann bemühte sich um Ausgleich, wollte als Vertreter der knapp 26 Millionen Katholiken in Deutschland auch immer im Dialog mit der politischen Klasse bleiben. Letztlich musste der Kirchenmann, dem so lange der Kardinalshut vorenthalten worden war, dem Druck aus Rom nachgeben. Es hätte nicht gewundert, wenn sich Lehmann schon damals zurückgezogen hätte. Doch der Hirte blieb.

Nun zwingen ihn gesundheitliche Probleme zur Amtsaufgabe als Vorsitzender des erlauchten Gremiums der Bischofskonferenz. Es ist zu hoffen, dass er starken Einfluss auf die Wahl des neuen Mannes an der Spitze der deutschen Amtskirche nimmt. Zu groß ist die Gefahr, dass sehr konservative Kräfte die Oberhand gewinnen, die sich möglicherweise im Schatten des amtierenden deutschen Papstes wähnen.

Derzeit erfahren die Bischofsstühle in Deutschland einen Generationswechsel. Jüngste Ernennungen in Limburg und München lassen zwar Positives erwarten. Der lebensfrohe Lehmann kann sich aber noch nicht ins Bischofshaus nach Mainz zurückziehen. Er muss mit der Kür eines guten Nachfolgers noch einen wichtigen Dienst an der katholischen Kirche in Deutschland tun.


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