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HANDELSBLATT, Donnerstag, 17. April 2008, 15:35 Uhr
Koalitionen

Kommentar: Ob Koch meint, was er balzt

Von Rüdiger Scheidges

Wie Rabauz Koch vom feinen Freund Ole die Kunst der Schmeichelei lernt.


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Offenkundig braucht man in der Politik doch Stil und Sekundärtugenden: Verbindlichkeit im Umgang, Respekt vor dem politischen Gegner und demonstrative Kompromissfähigkeit. Ohne alle diese Tugenden wäre Ole von Beust kaum so schnell, kaum so geschmeidig ans grüne Ziel gelangt.

Solche nicht nur politischen, sondern auch großbürgerliche Tugenden, verfasst in hanseatischer Nonchalance, gehen dem Hessen Roland Koch, ebenfalls gerade auf Balz, ab. Geschätzt wie berüchigt für Prinzipientreue, kompromisslosen Wertkonservatismus und eine tüchtige Portion Rücksichtslosigkeit im Umgang mit Gegnern kommt er im Vergleich zu Beust wie ein Knüppel-aus-dem-Sack-Politiker daher. Er selbst rühmt sich, gerne den „Rabauz“ zu geben.

Seine hohe pragmatische Kompetenz und politische Intelligenz stehen indes im krassen Gegensatz zu seinem unfeinen Hochmut im Umgang mit Schwächeren. Das ist nicht nur auf Bundesratsebene so. In der Landespolitik tritt er mitunter so unfein auf, dass andere ihm den Händedruck verweigern. Vor allem die Grünen. Doch mit solch grober Verfehlung demokratischer Usancen ist es – vorerst – vorbei.

Seitdem Koch nach der Wahlniederlage die Grünen ins Koalitionsbett holen will, spricht er nicht länger von der grünen Gefahr oder verantwortungslosen Öko-Spinnern. Koch fügt sich in ungewohnte Demut, andere sagen: ins Kreidefressen. Womöglich ist richtiger: Ins Lernen von Stil und Sekundärtugenden.

Im Landtag sind sie jedenfalls erstaunt, wie geschmeidig Rabauz Koch jetzt den Öko-Slang rappt, Hessen zum „Musterland der regenerativen Energie“ kürt und allerorten „Nachhaltigkeit“ predigt. Der brutalstmögliche Kämpfer gegen Überfremdung und ausländische Jugendkriminelle, der große Ausgrenzer kleiner Opponenten hört plötzlich Raeggae-Musik und brüstet sich mit der Wertschätzung des ewig bekifften Bob Marley. Fehlt noch, dass er sich für die Jamaika-Koalition Rasta-Zöpfe zwirbeln ließe. Koch wäre Europas berühmtester Jamaikaner.

Der soeben ins fünfte Lebensjahrzehnt eingekehrte Hesse, ein ausgezeichneter Musterschüler in Pragmatismus und Strategie, ist aber längst nicht vom rechten Glauben gefallen. Er weiß, dass er sich nach der eingelaufenen Decke strecken muss – und lernt vom feinen Freund Ole die Kunst der Schmeichelei. Von der schwarz-gelb-grünen Koaliton hängt sein Überleben ab. Dafür lassen sich selbst unbeugsame Politiker vom Schlage Kochs wie Gummibäume ver-, auch umbiegen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Am Morgen danach scheint alles gar nicht mehr so sündig


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