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HANDELSBLATT, Mittwoch, 30. April 2008, 05:52 Uhr
Serbien

Kommentar: Doppelte Botschaft


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Ein wenig Zuckerbrot, ein wenig Peitsche: Die Europäische Union sendet mit dem gestern geschlossenen Abkommen eine doppelte Botschaft an Serbien. Sie ist bereit, dem Land den Weg in die EU zu ebnen – aber nur, wenn es mit dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zusammenarbeitet.Noch immer ist der ehemalige General Ratko Mladic auf freiem Fuß, weil ihn serbische Behörden schützen. Serbien hat jetzt die Wahl, sich entweder vorbehaltlos zur EU mit ihren Normen und Werten zu bekennen oder eine Zukunft außerhalb der Union zu suchen.

In zwei Wochen, nach den serbischen Parlamentswahlen, sind alle schlauer. Noch ist keineswegs sicher, ob die unverhohlene Wahlkampfhilfe der EU für die europafreundlichen Serben auch landesweit honoriert wird. Denn Serbien ist nach wie vor tief gespalten. Vor allem die Anerkennung des Kosovos durch mittlerweile 39 Staaten dämpft die Sympathien vieler Wähler für Europa. Auf diese nationalistischen Kräfte setzt Ministerpräsident Kostunica. Gewinnt er die Wahl – und das ist gar nicht abwegig –, landet das Abkommen gleich auf der Müllhalde der Geschichte.

Für die Entwicklung des zersplitterten Balkans wäre ein Sieg Kostunicas ein herber Rückschritt. Denn nur wenn es gelingt, einen proeuropäischen Kurs einzuschlagen, sich mit der eigenen Historie zu versöhnen und den Status quo anzuerkennen, können alle Staaten auf dem Balkan jene Kräfte mobilisieren, die für eine wirtschaftliche, soziale und politische Modernisierung der Region unerlässlich sind. Viele Menschen haben aber weder den Machtverlust der einstigen Bundesrepublik Jugoslawien verkraftet noch die Einsicht gewonnen, dass es kein Zeichen nationaler Stärke ist, wenn man Kriegsverbrecher schützt. Daher müssen die Serben neben dem Zucker der EU auch etliche bittere Pillen schlucken.


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