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HANDELSBLATT, Freitag, 9. Mai 2008, 05:57 Uhr
Tui

Wider die Aktionäre


Der Tui-Konzern ist schon ein sonderbares Unternehmen. Da wird die Abwahl des Aufsichtsratsvorsitzenden mit einem miserablen Stimmenanteil von gerade einmal 57 Prozent verhindert und auch der Konzernchef schneidet bei seiner Entlastung nicht viel besser ab. Und trotz eines solch schlechten Ergebnisses auf der eigenen Hauptversammlung geht die Tui-Führung ohne großes Federlesen zur Tagesordnung über.

In Deutschland ist eine Zustimmung von 90 Prozent und mehr die Regel, wenn Aktionäre ihren Spitzenleuten auf einer Hauptversammlung das Vertrauen aussprechen wollen. Alles andere ist eine Niederlage.

Das, was am Mittwoch bei Tui passiert ist, geht allerdings noch ein Stück weiter. Solch ein vernichtendes Misstrauensvotum hat es in einem deutschen Unternehmen wahrscheinlich nie zuvor gegeben. Konzernchef ]Michael Frenzel und der Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Krumnow sollten sehr gründlich darüber nachdenken, welche Botschaft ihnen ihre Aktionäre da mit auf den Weg gegeben haben.

In jedem anderen Unternehmen wären die Konsequenzen klar. Beispiel Deutsche Börse AG vor drei Jahren: Dort haben es Hedge-Fonds geschafft, die Führung mit viel geringeren Stimmenanteilen herauszudrängen. Oder anders formuliert: Die damalige Führung der Deutschen Börse sah ein, dass sie gegen diese Widerstände auf längere Sicht nicht mehr viel ausrichten konnte.

Frenzel und Krumnow meinen wohl, dass sie auf die eigenen Aktionäre nicht hören müssen. Diese Ignoranz könnte sich bitter rächen. Mit dem Abstimmungsergebnis von Mittwochabend ist der Konflikt bei Tui jedenfalls noch lange nicht beendet – eine Fortsetzung des Streits ist programmiert.


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