Diesmal geht es nicht mehr nur darum, wer noch wie viel Subprime-Leichen in seinem Keller hat: Wenn die großen Investmentbanken in den nächsten Tagen ihre Quartalsergebnisse vorlegen, werden sich viele Investoren vielmehr die Frage stellen, ob das Geschäftsmodell an der New Yorker Finanzmeile eine Zukunft hat.
Für das krisengeschüttelte Bondhaus Lehman Brothers
ist diese Schicksalsfrage offensichtlich. Obwohl Konzernchef Dick Fuld sich seit Jahren verzweifelt bemüht, die Ertragskraft seiner Bank auf eine breitere Basis zu stellen, haben die Verwerfungen auf den Anleihe- und Kreditmärkten Lehman erneut an den Rand des Abgrunds gebracht. Merrill Lynch
steht nur deshalb etwas besser da, weil seine traditionell starke Vermögensverwaltung das Brokerhaus stabilisieren konnte. Über den Berg ist Merrill damit aber noch nicht.
Morgan Stanley
und Sachs sind noch am besten aufgestellt. Zwar hat auch Morgan-Chef John Mack für seinen Ausflug auf den Hypothekenmarkt Lehrgeld zahlen müssen. Doch dank der Stärken im klassischen Investment-Banking wird die Finanzkrise Morgan nicht in Existenznöte stürzen.
Goldman
war bislang auch in der Krise das Maß aller Dinge. Die Investmentbank ist ohne rote Zahlen und ohne Kapitalerhöhung davongekommen. Aber selbst der Branchenprimus hat Grund, in sich zu gehen. Hat doch in den vergangenen Jahren einen wachsenden Teil seiner Erträge durch den Eigenhandel erwirtschaftet. Das klassische Investment-Banking spielte nur noch die zweite Geige. Wenn jedoch die Gewinnchancen beim weltweiten Finanzroulette dauerhaft sinken, wird es auch für die smartesten Risikomanager an der Wall Street schwerer, Kapitalrenditen oberhalb von 30 Prozent zu erwirtschaften.
Die entscheidende Frage für die Investmentbanken ist, ob es sich bei der Finanzkrise nur um eine zyklische Korrektur handelt und die jetzt brachliegenden Verbriefungsmärkte in ein paar Jahren durch Finanzinnovationen zu neuem Leben erweckt werden können. Oder ob wir strukturelle Veränderungen erleben, die das Ertragspotenzial dauerhaft reduzieren.
