Eine nahe liegende Erklärung sind Zweifel an der Kapitalisierung des eingesetzten Geldes. Was sich bei einem Preis von gut zwei Milliarden in den Augen von Microsoft gerade noch gerechnet hätte, war nach Ansicht der Redmonder bei drei Milliarden auch mit gutem Willen nicht mehr darzustellen. Das wundert nicht, hat Doubleclick in den zurückliegenden sieben Jahren doch bei einem geschätzten Umsatz von 1,6 Milliarden Dollar einen Verlust von fast 500 Millionen Dollar eingefahren.
Für Google kann sich der tiefe Griff in die eigenen Taschen dagegen rechnen. Dies jedenfalls, solange es dadurch gelingt, dem Rivalen Microsoft eine wichtige Tür zum Online-Werbemarkt vor der Nase zuzuschlagen. Eine wirksame Verteidigungsstrategie hat eben auch ihren strategischen Preis.
Den muss Google tatsächlich zahlen. Denn die Konkurrenz im Kerngeschäft wächst. In vielen Ländern arbeiten Rivalen an neuen, effektiveren Suchtechnologien. Dass so etwas gegen den Riesen Google funktionieren kann, zeigt Ask.com auf dem Heimatmarkt Amerika. Bei der wachsenden lokalen Suche mangelt es Google wiederum an den Inhalten. Zudem entdecken auch andere dieses Geschäft, unter anderem nationale Medienhäuser.
Gleichzeitig waren alle Gehversuche von Google in neuen Märkten kläglich. Die Initiative mit Bürosoftware aus dem Internet dümpelt vor sich hin. Die Übernahme des Videoportals Youtube entpuppt sich immer mehr als schwer verdauliche Kost. Der Umsatz ist mit 15 Millionen Dollar bescheiden, immer noch weiß das Google-Management nicht, wie mit dem Engagement jemals Geld verdient werden kann. Es gibt also viele Baustellen, auf denen das Team um Google-Chef Eric Schmidt jede Menge zu tun hat. Volle Kriegskassen allein werden nicht reichen.

