Natürlich wäre es hilfreich gewesen, wenn bereits in Bali konkrete Ziele definiert worden wären. Doch damit hatte im Vorfeld des Treffens niemand ernsthaft gerechnet. Erst während der Konferenz hatte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel die Festschreibung von konkreten Reduktionsverpflichtungen für die Industriestaaten zum zentralen Ziel erhoben. Eine Road-map, die kein klares Ziel formuliere, sei wertlos, so hatte er argumentiert. Doch das war offensichtlich nur Teil der Verhandlungsstrategie. Die Europäer versuchten, Druck auf die USA auszuüben.
Tatsächlich haben sich die Amerikaner deutlich bewegt. Das Abschlussdokument der Konferenz verweist gleich zu Beginn auf den jüngsten Bericht des Weltklimarates. Darin steht klipp und klar geschrieben, was zum Schutz des Klimas zu tun ist. Noch am Donnerstag vergangener Woche hatten sich die Amerikaner geweigert, einen Verweis auf den Klimarat mit ins Abschlussdokument aufzunehmen.Im übrigen spielt die Zeit für den Klimaschutz:Die Chancen, dass die nächste US-Regierung das Thema neu bewertet, stehen günstig. Auch unter den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner gibt es solche, die sich zum Klimaschutz bekennen.
Die Ergebnisse von Bali bilden eine vernünftige Basis. Das wird auch an anderer Stelle deutlich: Das Abschlussdokument holt die Entwicklungs- und Schwellenländer mit ins Boot. Ausführlich hat sich die Konferenz mit den Themen Technologietransfer, Anpassung und Waldschutz befasst. Im Prinzip ist nun eine Konstruktion vorgesehen, die den Entwicklungsländern dann besonders hohe Mittel für diese drei Bereiche in Aussicht stellt, wenn ein ehrgeiziges Klimaziel beschlossen wird. Erstmals erhalten damit die Entwicklungsländer einen Anreiz, sich für ambitionierte Klimaschutzziele einzusetzen. Bislang hatten sie den Klimaschutz oft allein als Thema der Industriestaaten betrachtet.
Im weiteren Prozess der Verhandlungen wird sich zeigen, wie hoch der Preis sein wird, den die Entwicklungsländer für ihr Engagement verlangen. In der Wirtschaft schrillen bereits die Alarmglocken. Zusätzliche Umweltabgaben oder ein Besteuerung des Emissionhandels dürfen keinesfalls ein Fass ohne Boden werden.

