| HANDELSBLATT, Freitag, 18. April 2008, 21:00 Uhr | ||||||||||||||||||||||||||||||
Google | ||||||||||||||||||||||||||||||
Raus in die weite Welt | ||||||||||||||||||||||||||||||
Von Axel Postinett | ||||||||||||||||||||||||||||||
Amerika ist nicht mehr der Nabel der Welt. Auch nicht im Internet. Die Analysefirma Comscore hatte jüngst gemeldet, der Zuwachs bei den bezahlten Klicks auf Onlinewerbung von Google sei im ersten Quartal 2008 wohl nur um gut zwei Prozent gewachsen. Die Google-Aktie tauchte ab. Comscore hatte zwar angemerkt, dass man sich dabei nur auf die US-Zahlen beruft. Aber das hat kaum jemand ernst genommen. Die USA sind doch das Internetland, oder nicht? Das Silicon Valley das Epizentrum der digitalen Revolution? Jetzt die Überraschung: das Plus bei den bezahlten Klicks lag bei satten 20 Prozent. Getragen von einem boomenden Welt-Geschäft, das erstmals 51 Prozent des Gesamtumsatzes im Quartal von 5,19 Mrd. Dollar ausmacht. Der Nettogewinn stieg im Jahresvergleich um 31 Prozent auf 1,31 Mrd. Dollar. Ein Zeichen, dass Google zudem mehr aus seinen Klicks machen konnte: das Wachstum ist mit 20 Prozent zwar etwas abgeflaut (zuvor 30 Prozent), aber es gibt höhere Preise. Klasse statt Masse. Google macht seine eigene Konsolidierung. Im Gegensatz zu Yahoo. Googles schärfster Wettbewerber wird am 22. April Zahlen vorlegen und die Messlatte liegt jetzt sehr hoch. Der in Zeiten eines schwachen Dollars rettende Auslandsbonus fällt schon mal weg. Im vierten Quartal 2007 erwirtschaftete Yahoo von seinem Nettoumsatz von 1,4 Mrd. Dollar gerade mal 345 Mill. Dollar im Ausland. Zum Vergleich: Google hat im ersten Quartal 2008 alleine in Großbritannien umgerechnet 803 Mill. Dollar eingefahren. Das sind 15 Prozent des Gesamtumsatzes und mehr, als nur ein nettes Zubrot aus günstigen Wechselkursen. Insgesamt hat der Dollarverfall übers Jahr „nur“ knappe 202 Mill. Dollar Umsatz zusätzlich in die Kassen gespült. Wobei man Google auch eine gewisse Bauernschläue und Liebe zum Detail nicht absprechen kann. Siehe „Adsense“ und „Adwords“. Adsense ist das Programm, bei dem fremde Webseiten Google-Werbung präsentieren und dafür bezahlt werden - in weichen US-Dollar. Adwords dagegen ist das Programm, bei dem Werbetreibende „Keywords“ (Suchworte, bei denen ihre Werbung geschaltet wird) kaufen, damit ihre Botschaft auf den Bildschirmen der Welt auftaucht. Dafür kassiert Google in lokaler Währung, also hier in harten Euro oder Pfund Sterling. Lesen Sie weiter auf Seite 2: Was in den USA funktioniert, funktioniert nicht überall | ||||||||||||||||||||||||||||||
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