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19.04.2008 
Literatur zu Tibet

Pilgerwege auf das Dach der Welt

von Andreas Rinke

Mit Blick auf die Olympischen Spiele in China haben viele Verlage auf ein steigendes Interesse an Tibet gesetzt. Bisher dominierten Bücher über das 1959 aus Tibet nach Indien geflohene religiöse Oberhaupt, den Dalai Lama. Jetzt bietet eine Fülle von Neuerscheinungen auch andere Zugänge zum Volk auf dem "Dach der Welt".

Eine Fülle von Neuerscheinungen eröffnet unterschiedliche Zugänge zum "Dach der Welt". Foto: dpaLupe

Eine Fülle von Neuerscheinungen eröffnet unterschiedliche Zugänge zum "Dach der Welt". Foto: dpa

BERLIN. Als Tubten Khetsun acht Jahre alt ist, sieht er zum ersten Mal einen chinesischen Kommunisten. "Anders als ich erwartet hatte, trugen die drei Chinesen saubere, hellblaue Uniformen, Blumenkränze hingen um ihre Nacken. So ritten sie an uns vorbei, lachten und winkten in die Menge." Anfang 1950 in Lhasa, der tibetischen Hauptstadt. Die Chinesen sind gerade dabei, das Land am Himalaya-Gebirge zu erobern. Und ungläubig verfolgt Khetsun die Ereignisse zunächst aus der Kinderperspektive.

Doch als Sohn eines tibetischen Funktionärs dauert es nicht lange, bis er die andere Seite der neuen kommunistischen Herrscher kennenlernt. Er wandert zwischen Arbeits- und Umerziehungslagern hin und her - bis er sich nach der aufkeimenden liberaleren Stimmung nach dem Tode Maos im Jahr 1979 ins Ausland absetzen kann, zunächst nach Nepal, dann in die USA. Dort hat er seine Lebensgeschichte aufgeschrieben, die jetzt als eines der seltenen Zeugnisse des Lebens in Tibet unter chinesischer Herrschaft erschienen ist.

Dass das Buch gerade jetzt erscheint, ist kein Zufall. Denn mit Blick auf die Olympischen Spiele in China haben viele Verlage auf ein steigendes Interesse an Tibet gesetzt - schon vor den Unruhen. Bisher dominierten vor allem Bücher über das bereits 1959 aus Tibet nach Indien geflohene religiöse Oberhaupt, den Dalai Lama. Jetzt bietet eine Fülle von Neuerscheinungen auch andere Zugänge, wie man sich dem Volk auf dem "Dach der Welt" nähern kann.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Sympathien sind klar verteilt

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