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08.05.2008 
Neue Bücher über Israel

Ein schönes Attentat

von Pierre Heumann

Ein junger israelischer Autor hat einen Krimi geschrieben, in dem es um einen der schrecklichsten Aspekte der israelischen Gegenwart geht: Eitan Einoch, IT-Yuppie aus tel Aviv, hat drei Attentate überlebt.

Der junge israelische Schriftsteller Assaf Gavron schafft das scheinbar Unmögliche: einen vergnüglichen, unterhaltsamen Roman über Terror und deren Opfer zu schreiben. Mit schwarzem Humor erzählt Gavron, wie ein erfolgreicher Yuppie aus der High-Tech-Branche dreimal in eine Attacke verwickelt wird – und jedes Mal mit dem Leben davonkommt. Einfühlsam, witzig und präzise führt Gavron den Leser durch ein Israel, das Normalität im Ausnahmezustand mimt und lässt Eitan Einoch, die Hauptfigur, zynische Sätze sagen wie: „Nein, sie haben es noch nicht geschafft, mich zu erledigen.“ Oder zu einem Bekannten, von dem er lange nichts gehört hat, meint er: „Gut, dass es ab und zu Anschläge gibt, damit wir mal wieder ins Gespräch kommen“.

Doch die Nonchalance täuscht. Einoch kann nach den Attentaten nicht mehr Tritt fassen. Die traumatischen Erlebnisse und die Verarbeitung der Schocks fordern ihren Preis. Die Beziehung zu seiner Freundin zerbricht, sein Job geht verloren. Die Medien dringen in sein Leben ein, er wird vorübergehend zur Berühmtheit, der von Journalisten vereinnahmt wird, bevor sie sich einem anderen Thema zuwenden.

Verpackt in den Roman über den Umgang mit Terror ist ein Krimi, der sich wie ein mysteriöser roter Faden durch das Buch zieht. Gavron versucht außerdem, die Erlebnisse des Terror-Opfers Einoch mit der Person des Palästinensers zu verknüpfen, der die Attentate ausführt. Opfer und Täter lernen sich vor dem Attentat kennen. Falls es Gavrons Ziel war, die israelische und die palästinensische Welt parallel und gleichberechtigt auftreten zu lassen, ist ihm das freilich nicht gelungen.

ASSAF GAVRON: Ein schönes Attentat Luchterhand, München 2008, 352 Seiten, 19,95 Euro

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