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31.03.2008 
Schlammvulkan auf Java

48 000 Badewannen Schlamm pro Stunde

von Michael Lenz

Seit zwei Jahren spukt der Schlammvulkan Lusi auf Java heißen, giftigen Dreck. Zwölf Dörfer hat er bereits verschlungen und die Lebensgrundlage zehntausender Menschen vernichtet. Versuche, die Katastrophe einzudämmen, haben die Situation sogar noch verschlimmert. Ein Besuch in der Region, in der die Bewohner nicht nur mit dem Schlamm zu kämpfen haben.

Ein Schlammfeld ist alles, was von der einst intakten Landschaft übrig blieb. Foto: rtrLupe

Ein Schlammfeld ist alles, was von der einst intakten Landschaft übrig blieb. Foto: rtr

SIDOARJO. Ajis und seine Gattin Muslikah leben mit vier erwachsenen Kindern in einem zehn Quadratmeter großen Bretterschlag auf dem Marktplatz des Dörfchens Porong. Ajis weiß genau, wie lange schon: "Seit einem Jahr und zwei Monaten." Damals versank mit dem Haus und der Schreinerwerkstatt von Ajis die Lebensgrundlage, die Zukunft der Familie in heißen, schweflig stinkenden Schlamm. Dieser stammt aus 3000 Metern Tiefe aus einem Schlammvulkan in Ostjava im Distrikt Sidoarjo, zwanzig Kilometer von Indonesiens zweitgrößter Stadt Surabaya entfernt.

Die Menschen in Sidoarjo nennen den Schlammvulkan Lusi, eine Wortschöpfung aus den dem indonesischen Wort "Lumpur" und Sidoarjo. Seit dem 29. Mai 2006 quellen täglich schätzungsweise 176 000 Kubikmeter Schlamm pro Tag in unmittelbarer Nähe des Bohrlochs Banjar Panji 1 (BPJ-1) der Öl- und Gasfirma Lapindo Brantas aus der Erde. Das ist genug, um stündlich 48 000 Badewannen zu füllen.


Bildergalerie Bildergalerie: Die Lusi-Katastrophe


800 Hektar Land sind bereits von den Schlammmassen bedeckt. Zwölf Dörfer hat Lusi verschlungen, mehr als 10 000 Familien haben ihre Häuser, ihre Reisfelder, ihre Werkstätten, ihre Lebensgrundlage verloren. Zerstört hat Lusi 25 Leder- und Textilfabriken, die größten Arbeitgeber der Region, aber auch Straßen, eine Eisenbahnlinie sowie eine wichtige Stromversorgungslinie für die dicht besiedelte Region.

Lapindas Brantas gehört zum Firmenimperium von Aburizal Bakrie – laut Forbes mit fünf Milliarden US-Dollar der reichste Mann Indonesiens und derzeitiger Sozialminister des Landes. Der einflussreiche Mann soll Staatspräsident Susilo Bambang Yudhoyono mit großzügigen Wahlkampfspenden unterstützt haben. Der Unternehmer könnte für die Lusi-Katastrophe verantwortlich sein, um deren Folgen er sich als Sozialminister zu kümmern hätte.

Irgendetwas lief an diesem Tag im Mai 2006 in BPJ-1 schief. Einige behaupten, die Bohrung von Lapindo zur Erschließung eines reichen Gasfeldes sei unsachgemäß und stümperhaft durchgeführt worden. Das Unternehmen bohrte Anfang März 2006 in der Nähe von Sidoarjo eine neue Gasquelle an. Man war davon ausgegangen, in 2591 Metern Tiefe auf eine Kalksteinschicht zu stoßen. Dies war jedoch nicht der Fall. Stattdessen kam es in 2834 Metern Tiefe zu einem "Kick" - einem unkontrollierten Einbruch von Flüssigkeit in das Bohrloch.

Eine Fortsetzung der Bohrung war nun nicht mehr möglich. Experten werfen Lapindo vor, auf die übliche Ummantelung des Bohrers verzichtet und durch diesen eklatanten Fehler den Kick verursacht zu haben. Zudem hätten die Ölleute zu spät auf das drohende Desaster reagiert. "Sie haben den Kick erst nach einigen Stunden bemerkt", meint Richard Davies von der britischen Universität Durham. Für den Geowissenschaftler, der bereits zwei Studien über den Schlammvulkan veröffentlicht hat, steht der Schuldige fest: "Ich bin zu 98 Prozent sicher, dass die Bohrung an Banjar Panji 1 den Schlammvulkan ausgelöst hat. Ich habe Druckdaten, die zeigen, dass der Druck eine kritischen Höhe erreicht hat."

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Rettungsversuche schlagen fehl

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