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07.05.2008 
China-Lexikon

Ausländer

"Lao wei" rufen Chinesen Ausländern häufig hinterher. Übersetzt heißt das "der Alte von draußen". Warum der Begriff gar nicht so unfreundlich ist wie er klingt und warum Chinesen Ausländern dennoch nicht so recht über den Weg trauen.

Quelle: Handelsblatt

Quelle: Handelsblatt

fmk PEKING. „Lao wei“ ist der chinesische Begriff für Ausländer. Wörtlich übersetzt heißt das „der Alte von draußen“. Das ist keineswegs so unfreundlich gemeint, wie es möglicherweise klingt. Denn „lao“ (alt) ist durchaus ein Ausdruck von Respekt. Dennoch ist die Haltung der meisten Chinesen zu Ausländern eher ambivalent. Freundlichkeit und Respekt mischen sich mit Abwehr und Zweifeln gegenüber den Absichten der Fremden sowie mit einer sehr weit verbreiteten Skepsis, dass diese China und die Chinesen wohl nie richtig verstehen werden.

Das Reich der Mitte leidet zu einem gewissen Grad unter einem Minderwertigkeitskomplex, der auf Ereignisse vor etwa hundert Jahren zurückgeht.

Die erste Begegnung des industrialisierten Westens mit China im 19. Jahrhundert ist geradezu katastrophal schiefgelaufen. Die Kolonialmächte demütigten das tief in sich ruhende Kaiserreich, wo sie nur konnten. China war zu dieser Zeit politisch, wirtschaftlich und militärisch schwach. Die Europäer und Japaner besetzten von den Küsten kommend immer größere Gebiete des Landes und verlangten hinterher Kriegsentschädigungen, weil die Chinesen sich gewehrt hatten.



Die Rolle als Unterlegener war für China völlig neu. Seit der Antike übte es die Vorherrschaft in ganz Ostasien aus. Bis ins 17. Jahrhundert hinein war das Kaiserreich dem Westen nicht nur kulturell mindestens ebenbürtig, sondern wirtschaftlich sogar überlegen. Der technische Vorsprung betraf nicht nur die Erfindungen wie Papier, Magnetkompass, Porzellan und Buchdruck.

Chinesische Banker gaben im siebten Jahrhundert die ersten Geldscheine aus, und die Mathematiker rechneten im 11. Jahrhundert schon mit Vorläufern des Integrals – das erst 600 Jahre später Gottfried Leibniz für den Westen erfand. Und plötzlich kamen unkultivierte Europäer, plünderten, eroberten, zerstörten, brachten Opium ins Land und spielten sich auch noch als überlegen Rasse auf. Das Trauma sitzt tief.

Die Chinesen sind bis heute schnell zu der Annahme bereit, dass der Westen ihr Land bewusst klein halten wolle. So kann ein chinesischer Unternehmer zwar gute Geschäfte mit US-Unternehmen machen und einen Benz fahren, in der Kneipe dann jedoch äußerst aggressiv anti-westliche Töne anschlagen.

Richtig feindselig verhalten sich aber nur wenige Chinesen Europäern oder Amerikanern gegenüber – solche Gefühle bleiben eher für die ehemaligen Besatzer aus Japan reserviert.

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