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15.05.2008 
China nach dem Beben

Die Stunde des Militärs

von Andreas Hoffbauer

Chinas neue Helden tragen Uniform: Im Erdbebengebiet von Sichuan sind die Soldaten der Volksbefreiungsarmee oft die einzigen, die zu den Verschütteten vordringen können. Doch die Hilfe der Retter stößt immer wieder an Grenzen. Mittlerweile rechnet Chinas Regierung mit mehr als 50 000 Toten. Und der Katastrophenregion droht bereits eine neue Gefahr.

Rettungsarbeiten in Chengdu: Oft sind die Soldaten die einzigen Helfer, die zu den Verschütteten vordringen können. Foto: Andreas HoffbauerLupe

Rettungsarbeiten in Chengdu: Oft sind die Soldaten die einzigen Helfer, die zu den Verschütteten vordringen können. Foto: Andreas Hoffbauer

CHENGDU. Nach der Heldentat gönnt sich Soldat Mu erst einmal einen tiefen Schluck aus der Sprudelflasche. „Zwei kleine Kinder konnten wir hier schon lebend rausholen, jetzt auch noch die Mutter“, sagt der Mann im grünen Kampfanzug und zeigt auf den Trümmerhaufen. Dort, wo mal ein mehrstöckiges Wohnhaus mit Ladenzeile gestanden hat, ist nichts übrig geblieben außer einem Haufen Schutt und Dreck. Nur die rosa Kinderbettdecke mit den kleinen Teddybären, auf die die Geborgene gelegt wird, erinnert noch an fröhlichere Tage.

Soldat Mu aus der rund 100 Kilomneter entfernten Provinzhauptstadt Chengdu sieht mit seinem verschwitzten schwarzen T-Shirt und der Guerilla-Kappe zwar eher wie ein Dschungelkämpfer aus. Doch seit einigen Stunden ist er in den Tälern von Beichuan als Sanitäter und Lebensretter im Einsatz. Denn die Regierung in Peking hat seit dem schwersten Beben Jahrzehnten 80 000 Soldaten in die betroffene Provinz Sichuan geschickt. Noch immer sind hier Zehntausende verschüttet, mehr als 50 000 Menschen könnten die Katastrophe nicht überlebt haben, schätzt die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.


Bildergalerie Bildergalerie: Soldaten als Lebensretter


Bei allem Unglück sei er jetzt sehr glücklich, sagt Soldat Mu in eine laufende Fernsehkamera. Das sind die Bilder, die China momentan um die Welt gehen sehen möchte. Dafür hat sich Peking sogar zu einer neuen PR-Offensive entschlossen: Noch nie haben sogar führende Armeemitglieder so offen zu Journalisten geplaudert wie momentan im Bebengebiet.

Auch die eigene Presse feiert die Truppe. „Wenshuan, wir sind da!“, titelte gestern die „Sichuan Morningpost“ auf Seite Eins. Dazu als Titelfoto das Bild eines Militärhubschraubers, der gerade Lebensmittel und Medizin in die Berge gebracht hat. In dem am schwersten betroffenen Landkreis Wenchuan, wo das Epizentrum des Erdbebens mit der Stärke 7,8 lag, sind viele Orte dem Erdboden gleichgemacht. „Magical Moments“ titelete auch „China Daily“ auf der Frontseite über dem Bild einer Schwangeren, die im ebenfalls schwer zerstörten Dujianguyan aus den Trümmern geborgen wurde.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Armee sind Grenzen gesetzt

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