Nach einem Vergleich mit den Opfern hatte Grünenthal 1971 rund 110 Millionen Mark in die „Conterganstiftung für behinderte Menschen“ eingezahlt, der Bund steuerte weitere 100 Millionen Mark bei. Seit 1997 ist das Geld aufgebraucht. Der Fonds, aus dem die bundesweit noch etwa 2700 lebenden Opfer eine monatliche Rente von maximal 545 Euro erhalten, wird seither allein vom Bund finanziert. Opferverbände halten die Zahlungen weder für angemessen noch für ausreichend.
Die Vorsitzende des Bundesverbandes Contergangeschädigter, Margit Hudelmaier, reagierte mit Skepsis auf die Entwicklung. „Ich teile die Euphorie nicht, wenn Herr Wirtz glaubt, er schreibe einen Brief und das war's.“ Kritisch sehe sie, dass Wirtz erst jetzt, im Zuge des gestiegenen öffentlichen Interesses nach der Ausstrahlung des TV- Zweiteilers „Contergan“, auf die Opfer zugehe. Ein Treffen habe nur Sinn, wenn Wirtz den Geschädigten ein finanzielles Angebot unterbreite, das über seine bisherigen Statements hinausgehe.
Laut „Spiegel“ will eine britische Opfergruppe um den Unternehmer Nicholas Dobrik einen Entschädigungsfonds in Milliardenhöhe erzwingen. Dobrik war es vor zwei Jahren gelungen, mit Boykott- Aufrufen den Getränkekonzern Diageo zu höheren Zahlungen zu zwingen. Diageo ist die Nachfolgegesellschaft des britischen Contergan- Lizenznehmers. Wirtz nannte diese Kampagne „Erpressung“.

