Vorgebliche mathematische Schwächen von Mädchen und Frauen werden gerne mit der Biologie begründet: Tatsächlich belegen kognitive Tests, dass Frauen im räumlichen Verstehen den Männern aufgrund hormoneller Einflüsse auf das Gehirn oft unterlegen sind. Doch solche Fähigkeiten lassen sich trainieren – und sind außerdem auch nicht zwingend notwendig, um eine gute Mathematikerin zu werden. „Auch Mädchen sind mathematisch begabt, die statistische Normalverteilung ist die gleiche wie bei Jungen“, sagt Albrecht Beutelspacher, Professor an der Universität Gießen und Direktor des Mitmach-Museums „Mathematikum“.
Oft werde durch „falsch verstandene Solidarität“ die Selbsteinschätzung der mangelnden mathematischen Begabung von der Mutter an die Tochter weitergegeben. Das Stereotyp wird zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung: Eine Studie der kanadischen Universität von British Columbia ergab im Jahr 2000, dass Klischees die Mathematik-Leistungen von Frauen negativ beeinflussen. Teilnehmerinnen, denen Texte über die genetische Unterlegenheit ihres Geschlechts vorgelegt wurden, schnitten im anschließenden Rechentest schlechter ab.
Besonders in der Pubertät bekommen Schülerinnen Probleme in Mathematik, Physik und Informatik, erläutert die Didaktikerin Jahnke-Klein. Im Streben nach mehr Weiblichkeit sei es „unfein und nicht schick, gut in Mathe zu sein“. Auch aus Mangel an Selbstvertrauen fühlen sich Mädchen im Mathe-Unterricht unwohl.
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