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09.05.2008 

Ein schwarzer Kleinbus mit abgedunkelten Scheiben fährt vor. Der Fahrer springt heraus und hält die Tür auf. Liu Xuan steigt aus, begleitet von ihrer Agentin und einer Assistentin. Liu hat darauf bestanden, am Eingang des Restaurants abgeholt zu werden. Sie kommt viel zu spät, das Fotoshooting für das Modemagazin „Vogue“ hat länger gedauert als geplant. Alles ist ein bisschen wie in Hollywood – nur ein roter Teppich fehlt noch.

Doch die Inszenierung ist nur Fassade, schon nach ein paar Minuten erzählt Liu Xuan offen von ihrem Leben – wie jede Studentin in Peking. „Ich mache kaum noch Sport“, sagt sie und kichert, „nur manchmal Joggen oder Yoga.“ Liu trägt blaue Jeans, sie hat sich einen modischen schwarzen Schal um den Hals geschlungen.

„Als Kind wollte ich eigentlich Polizistin werden, so mit einer richtig schönen Uniform“, plaudert der Superstar des 1,3-Milliarden-Volkes. Sie liebe chinesisches Essen, „aber richtig schön scharf“ müsse es sein. Ihr Lieblingsland sei die Schweiz, weil da alles so niedlich und sauber ist. Und die US-Schauspielerin Katharine Hepburn verehre sie.


Sonderdruck: Gesichter Chinas

Das Handelsblatt hat 14 Menschen vorgestellt, die auf ihre Art und Weise beim Aufbau des neuen Chinas mithelfen. Die Auswahl kann nicht repräsentativ für 1,3 Milliarden Menschen sein. Doch jede Geschichte ist ein authentisches Stück des heutigen Chinas, fügt sich ein wie ein Puzzlestück in ein großes Bild.

Die spannende Handelsblatt-Serie über diese vierzehn außergewöhnliche Chinesen können Sie ab Ende Mai auch gesammelt als Sonderdruck erwerben.

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Und im Sport? „Im Sport war immer Li Ning mein Vorbild“, sagt Liu dann und nickt so heftig, dass ihre großen Silberohrringe auf und nieder hüpfen. Turnprinz Li Ning, heute ein erfolgreicher Unternehmer, ist Chinas große Sportlegende, eine Art chinesischer Uwe Seeler. Li hatte 1984 in Los Angeles mit sechs Medaillen – darunter dreimal Gold – seine Volksrepublik triumphal aus ihrer olympischen Isolation geholt. 30 Jahre lang hatte das Land aus politischen Gründen nicht an Sommerspielen teilgenommen.

Liu Xuan wurde zum Sportidol, weil sie in Sydney gerade noch eine große Schmach für Chinas Turnerinnen verhinderte. Das Team aus der Volksrepublik war als klarer Favorit angetreten, hatte aber schwach abgeschnitten. Liu am Schwebebalken war die letzte Chance auf Turngold für die chinesischen Frauen – und sie ließ ihre Nation nicht im Stich.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Ein Star wird geboren

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