Er sei sehr stolz gewesen, als er gehört habe, dass die Fackel auf dem Mount Everest angekommen sei, sagt Xu Hao, ein 30-jähriger Arbeiter in Peking. „Durch den Aufstieg zeigen wir der Welt die Hartnäckigkeit und die Courage in unseren Herzen.“ In Internet-Chatrooms folgte umgehend eine Flut von begeisterten Kommentaren. Viele Schreiber erklärten, sie hätten vor Freude über die Fackel auf dem Mount Everest geweint. Doch es gab auch kritische Stimmen über die millionenschwere Himalaya-Aktion – vereinzelt allerdings nur. „Das kostet so viel Geld, warum geben wir das nicht lieber für die armen Leute in China aus“, fragt sich ein Wachmann in der Hauptstadt als er die Fackel-Bilder vom höchsten Berg der Welt in einer Hotellobby verfolgt.
Tibetische Aktivisten hatten den Aufstieg im Vorfeld scharf kritisiert. Aus ihrer Sicht symbolisiert die Aktion den chinesischen Herrschaftsanspruch über Tibet. Diese Sorge wurde am Donnerstag durch patriotische Kommentare eher noch geschürt denn gedämpft. Sie werteten den Fackelzug auf den Mount Everest als Sieg über die anti-chinesischen Kräfte in Tibet.
Die „heilige Flamme“ auf dem Mount Everest sei vor allem ein Symbol für die „nationale Wiedervereinigung und den Patriotismus“ in China, ließ ein 20-jähriger Student in Peking die Welt wissen.
Immerhin ließen die Olympia-Organisatoren bei der Himalaya-Aktion in der Gruppe der Kletterer den tibetischen Mitgliedern den Vortritt. Mit den Bildern aus dem Nebel vom Mount Everest wollten sie quasi ein tibetisch-chinesisches Wir-Gefühl vermitteln. Und am Abend meldete Peking dann auch noch, man sei bereit, die Gespräche mit Vertretern des Dalai Lama fortzusetzen. Doch diese wirklich gute Meldung in Sachen Tibet ging im Reich der Mitte im allgemeinem Gipfel-Jubel vom Dach der Welt unter.
Auf dem Gipfel waren inzwischen die Spuren des Fackelträger-Trupps längst wieder zugeschneit. Es wehte nur noch immer der eisige Wind.

