Im Norden der Stadt, direkt neben der vierten Ringautobahn, liegt das Hauptquartier des Organisationskomitees für die Olympischen Spiele in einem klotzigen Hochhaus. Sun Weide sitzt im dritten Stock in einem Konferenzraum, der U-förmig mit klobigen Sesseln möbliert ist, auf deren Rücken- und Armlehnen gehäkelte Zierdecken liegen. Man kennt die Sessel aus den Fernsehnachrichten, wenn ein ausländischer Staatsgast einen chinesischen Spitzenpolitiker trifft.
Eine uniformierte Schönheit schwebt herein und serviert Tee in Pappbechern. Sun, Sprecher des Olympischen Organisationskomitees, wirkt streng, seine Haare liegen wie mit dem Lineal gescheitelt auf seinem Kopf, er trägt eine Brille mit großen Gläsern, die wie Flachbildschirme vor seinen Augen hängen. Sun spricht perfektes Englisch und führt viele Zahlen an.
Nach einer aktuellen Umfrage unterstützen 96 Prozent der Pekinger Bürger die Olympischen Spiele, erzählt Sun. Für den offiziellen Slogan - "One World, One Dream" - kamen 210 000 Vorschläge aus der Bevölkerung, hauptsächlich per E-Mail. 540 000 Chinesen haben sich als freiwillige Helfer beworben. 90 Prozent des Pekinger Abwassers wird inzwischen gereinigt. 1 500 Ampeln werden jetzt per Computer gesteuert, 27,8 Millionen Bäume wurden gepflanzt. Sun kennt alle Zahlen auswendig. Wohl kaum eine andere Veranstaltung der Weltgeschichte ist je so umfassend und gründlich vorbereitet worden. Seit Jahren lernen Taxifahrer Englisch und internationale Benimmregeln; seit einigen Monaten gelten sogar Sondervorschriften für ihren Haarschnitt.
Um die ausländischen Besucher nicht durch ungehobelte Manieren zu verschrecken, überwachen freiwillige Patrouillen die Einhaltung des Spuckverbots. An Busstationen gibt es Unterricht im Schlangestehen.
Auf der Einkaufsstraße Nüren Jie werden Englisch-Sprachkurse aus Lautsprecher übertragen: "We offer a 15 percent discount if you have a VIP-card." Das Organisationskomitee hat an alles gedacht. "Wir wollen die Spiele nutzen, um die Modernisierung der Stadt voranzutreiben", sagt Sun.
Im Durcheinander von Revolutionen und Reformen sind in China Visionen abhanden gekommen. Doch Peking hat einen Masterplan: Die Olympischen Spiele sollen Chinas Hauptstadt zur Weltmetropole machen.
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