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08.09.2006 
Lebensmittelkontrolleur vom Amt enthoben

Wieder verdorbenes Fleisch gefunden

Der Gammelfleischskandal zieht immer weitere Kreise. In Bayern wurde ein vierter Fall gemeldet. Außerdem wurde Putenfleisch aus Bayern bei einem Schiffsausrüster in Bremerhaven sichergestellt. Unterdessen wurde ein Veterinäramtsleiter und Lebensmittelkontrolleur des Freistaates vom Amt enthoben. Seehofer will zudem die Länderkontrollen schnell verbessern.

Der Gammelfleischskandal beschäftigt auch die Politik. Quelle: ReutersLupe

Der Gammelfleischskandal beschäftigt auch die Politik. Quelle: Reuters

HB MÜNCHEN/METTEN. Am Donnerstag wurde in einem Zerlege- und Verarbeitungsbetrieb in Hof verdorbenes Fleisch gefunden. Untersuchungen seien veranlasst worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Bisher sei aber nicht bekannt, ob das Fleisch in den Handel gelangt sei. Damit ist seit Ende August nach den Gammelfleischfunden in Gröbenzell, München und Metten der vierte Fall im Freistaat aufgedeckt worden.

Das Unternehmen in Hof hat nach eigenen Angaben zwei Tage vor der Sicherstellung des verdorbenen Fleisches die Behörden von sich aus informiert. Der Amtstierarzt wisse seit vergangenen Dienstag Bescheid, sagte Betriebsleiter Peter Schneider der dpa am Freitagabend. Die verdächtigen 1,4 Tonnen Schweinefleisch habe das Hofer Unternehmen von einer im Rhein-Main-Gebiet ansässigen Firma tiefgefroren gekauft. Beim Auftauen sei festgestellt worden, dass es sich vermutlich um verdorbenes Fleisch handelte. Dass die Firma die Behörden informiert habe, sei dokumentiert. Die Staatsanwaltschaft Hof hatte das Fleisch nach ihren Angaben vom Freitag am Donnerstag beschlagnahmt.

Im Zusammenhang mit dem Gammelfleischskandal haben die Behörden am Freitag auch bei einem Schiffsausrüster in Bremerhaven Putenfleisch sichergestellt. Die 27 Kilogramm Putenkeulen stammen von einem bayerischen Händler, der verdorbenes Fleisch verkauft haben soll. Wie die Stadt Bremen mitteilte, wird die Ware untersucht. Insgesamt waren 96 Kilo Fleisch an einen Schiffsausrüster nach Bremerhaven geliefert worden. Nach den bereits an Schiffe verkauften 69 Kilogramm Fleisch wird gesucht.

Ferner wurde bekannt, dass die Großmetzgerei aus Metten wesentlich mehr Betriebe mit verdorbenem Fleisch versorgte als bisher angenommen. Nach Angaben der Ermittler vom Freitag belieferte das Unternehmen 470 Abnehmer in Bayern, aber auch in Baden-Württemberg, in EU-Ländern sowie in Hongkong. Bisher war die Sonderkommission „Fleisch“ von 326 Handelspartnern ausgegangen. Der 53-Jährige Inhaber habe Jahre lang mit verdorbenen Lebensmitteln gehandelt, hieß es. Mehr als 40 Tonnen Fleisch waren sichergestellt worden. Die Ware ist teils drei Jahre alt. Der Anwalt des Mannes hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

In Baden-Württemberg wurde nach dem bayerischen Gammelfleischskandal weiteres verdorbenes Fleisch entdeckt. Nach dem Fund von sechs Kilogramm Gammelfleisch in Stuttgart habe bei 15 weiteren von insgesamt 111 Proben die Geruchs- und Geschmacksprüfung einen Verdacht auf Gammelfleisch ergeben, teilte das Agrarministerium am Freitag in Stuttgart mit.

Bundesverbraucherminister Seehofer kritisierte bei einer Sondersitzung des Bundestags-Verbraucherausschusses die bisherige Lebensmittelkontrolle als unzureichend. In dem Münchner Fall habe „ganz offensichtlich staatliche Lebensmittelkontrolle nicht funktioniert“, rügte der CSU-Politiker. Es komme entscheidend darauf an, dass die von Bund und Länder beschlossenen Verbesserungen jetzt sehr rasch umgesetzt würden. FDP und Grüne nannten die beschlossenen Maßnahmen dagegen enttäuschend.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Offenbar versagten bayerische Behörden

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