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19.07.2007 
Lebensmittelkontrollen

Zahl der Gammelfleisch-Funde gestiegen

Das Thema Gammelfleisch ist noch nicht vom Tisch. 2006 fanden die Lebensmittelkontrolleure der Länder mehr verdorbenes Fleisch als im Vorjahr. Aus einem einfachen aber ekelerregenden Grund hält die Verbraucherorganisation Foodwatch einen Bericht nicht für notwendig.

Das Gammelfleisch ist noch nicht vom Tisch.Lupe

Das Gammelfleisch ist noch nicht vom Tisch.

HB BERLIN. Das Gammelfleisch ist noch nicht vom Tisch. Die Mängel bei Hygiene und Kennzeichnung von Lebensmitteln sind im vergangenen Jahr zwar auf dem Vorjahresniveau geblieben. Die Lebensmittelkontrolleure der Länder entdeckten dabei allerdings mehr Verunreinigungen als im Jahr zuvor zum Beispiel bei Fleisch. Der Anteil von verdorbener Ware oder von Produkten mit krankheitserregenden Keimen an den gesamten Verstößen stieg bei Fleisch von 18 auf 22 Prozent. Doch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sieht insgesamt nur sehr geringe Risiken für Verbraucher. „Insgesamt werden die Lebensmittel nicht unsicherer“, sagt BVL-Präsident Christian Grugel.

In den vergangenen Jahren sorgten mehrere Gammelfleischskandale mit verdorbener und falsch ausgezeichneter Ware für Verunsicherung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte im November 2005 in ihrer Regierungserklärung im Bundestag: „Wir haben ein Motto und das heißt null Toleranz gegenüber denen, die das Vertrauen der Verbraucher mit Füßen treten.“ Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) legte damals einen Zehn-Punkte-Plan vor, mit dem den „schwarzen Schafen“ der Branche besser das Handwerk gelegt werden sollte. Einiges davon ist bereits umgesetzt, einiges steht noch aus. Vor wenigen Tagen gab der Bundestag grünes Licht für das Verbraucherinformationsgesetz, das nach Bedenken von Bundespräsident Horst Köhler geändert wurde. Verbände und Opposition halten es weiter für einen „zahnlosen Tiger“.

Die Kontrolleure der Länder prüfen inzwischen stärker risikobehaftete Betriebe, also eher Fisch- und Fleischbetriebe als etwa den Getränkehandel. Die Lebensmittelwirtschaft hat zudem ihre Eigenkontrollen ausgebaut. Der Chef der Länder-Arbeitsgemeinschaft gesundheitlicher Verbraucherschutz, Jürgen Maier, sieht aber Grenzen der Kontrollen: „Die Lebensmittelüberwachung kann nicht der Vorkoster der Nation sein“, sagt er. „Es wird uns niemals gelingen, auch wenn zigtausend Lebensmittelkontrolleure eingestellt werden, jedes Produkt, bevor es auf den Markt kommt, zu überprüfen.“ Für neue Herausforderungen sorgen laut BVL unsichere Produkte aus den neuen EU-Staaten in Mittel- und Osteuropa. Außerdem gebe es immer mehr „Ethno-Läden“ etwa von Russlanddeutschen, sagt Maier.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert aussagekräftigere Informationen über Verstöße. „Es wird in Kauf genommen, dass von den auffälligen Produkten fast jedes zweite falsch deklariert ist“, sagt Vize-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. Für einen wirksamen Schutz vor Gesundheitsgefahren und vor Täuschung müssten die Informationen transparenter sein. Wie in Dänemark sollten die Kontrollergebnisse an die Türen von Supermärkten, Gemüsehändlern und Gastwirtschaften geheftet und im Internet veröffentlicht werden. Nur dann hätten Verbraucher die Möglichkeit, Firmen „zu belohnen oder abzuwatschen“. Einen Bericht über Verstöße des Vorjahres hält Wolfschmidt für wenig wirksam: „Wir haben sowieso praktisch alles aufgegessen.“

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