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21.04.2008 
Hintergrund

Am Ende trifft man sich doch

von Andreas Hoffbauer und Ruth Kirchner

Wir haben arme und reiche Chinesen besucht, Unternehmer und Künstler, Mao-Fans und -Kritiker. Wie die Serie „Gesichter Chinas“ entstand – trotz mancher Terminabsagen und der Tibet-Krise.

Kinder einer einer Dorfschule im Nordwesten Chinas beim Besuch von Reporterin Katharina Slodczyk und Autorin Ruth Kirchner. Foto: Katharina SlodczykLupe

Kinder einer einer Dorfschule im Nordwesten Chinas beim Besuch von Reporterin Katharina Slodczyk und Autorin Ruth Kirchner. Foto: Katharina Slodczyk

PEKING. „Einmal sehen ist besser als hundertmal hören“, lautet ein chinesisches Sprichwort. Für das Handelsblatt-Team, das die Beiträge für die Serie „Gesichter Chinas“ schrieb, war dies in den vergangenen Monaten die goldene Regel.

Wer etwas über China und seine Menschen erfahren möchte, bekommt schnell viele Geschichten zu hören. Doch wir wollten uns selbst ein Bild machen, hinter die Kulissen blicken, die Dinge aus erster Hand erfahren – im Reich der Mitte noch immer kein leichtes Unterfangen.

Und nicht nur das: Kaum ein Volk verabredet sich so unverbindlich und kurzfristig wie die Chinesen. Und sagt so kurzfristig auch Termine wieder ab. Immer wieder mussten Treffen verschoben, neue Interviewpartner gefunden und Behörden überzeugt werden.

Sich mit der jungen Autorin Chun Sue, die bereits mit 17 Jahren einen Skandalroman schrieb, zu verabreden, gestaltete sich beinahe so kompliziert wie ein Interview mit Chinas Staatschef. Eine halbe Stunde vor dem Termin war noch völlig offen, wo wir uns treffen und ob sie überhaupt kommen würde.

Doch im Unterschied zu Chinas Top-Politikern ist die chinesische Avantgarde keineswegs publikumsscheu: Fast drei Stunden plauderte Chun Sue dann in einem Pekinger Café über sich und die Welt, lud sogar noch zu sich nach Hause ein. Solche Einblicke sind für ausländische Journalisten äußerst rar.

Am Ende hat dann doch (fast) alles geklappt. „Mei wenti, mei wenti!“ – alles kein Problem, sagten Chinesen immer lachend, wenn wir Ausländer mal wieder völlig am Ende mit den Nerven waren, weil der Interviewpartner doch nicht so wollte wie ursprünglich vereinbart.

Doch genau dieses bisschen „luan“ (Chaos) hat uns das große Reich immer wieder auch sehr sympathisch gemacht.

„Gesichter Chinas“ stellt 14 Menschen vor, die auf ihre Art und Weise beim Aufbau des neuen Chinas mithelfen. Die Auswahl kann nicht repräsentativ für 1,3 Milliarden Menschen sein. Doch jede Geschichte ist ein authentisches Stück des heutigen Chinas, fügt sich ein wie ein Puzzlestück in ein großes Bild.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Es war eine intensive China-Reise

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