Die wenigen, die die „gläserne Decke“ durchstoßen, müssen mehr leisten als ihre männlichen Mitbewerber. Karin Katerbau, Vorstandsmitglied der Commerzbank-Tochter Comdirect, absolvierte ein deutsch-französisches Elitestudium und arbeitete sich in zig Funktionen von Produktmanagement bis Controlling hoch, bevor sie ihre Chance bekam. McKinsey-Partnerin Clara Streit schrieb Fachbücher und zog als Beraterin jahrelang rund um den Globus. Helga Rübsamen-Waigmann, Geschäftsführerin der Bayer-Ausgründung Aicuris, erwarb sich einen Weltruf als Virologin und wurde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. WDR-Intendantin Monika Piel überzeugte durch ihr Engagement für den interkulturellen Dialog in Deutschland.
Solche Vorzeigekarrieren sind selten geplant – weder von den Frauen selbst noch von den Unternehmen. Die zahlreichen Gleichstellungsinitiativen (siehe Kasten) ändern daran wenig. „Die Einstellung von Frauen in Spitzenpositionen müssen die Unternehmen auch tatsächlich vornehmen“, fordert Privatdozentin Elke Holst vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.
Langsam macht sich Resignation breit. „Alles was an Frauenfördermaßnahmen in den vergangenen 20 Jahren angeschoben wurde, sei verpufft, sagen viele Frauen in meinen Studien. Vieles wurde als reine PR empfunden“, berichtet Sonja Bischoff. „Ich glaube, das einzig Wirksame sind Mentoring-Programme. In meinen Untersuchungen habe ich gesehen, dass erfolgreiche Frauen mit einem Jahreseinkommen über 100 000 Euro auch erfolgreiche Mütter hatten. Das heißt, es kommt auf Vorbilder an, und diese Funktion wird nur von Mentoring-Programmen ausgeübt.“
Bei den Veranstaltern von Führungsseminaren für Frauen ist diese Erkenntnis angekommen. Die früher verbreiteten Konfrontationstrainings nach dem Motto „Wir Frauen zeigen es euch Männern!“ haben ausgedient. Das Wort von der „smarten Karriere“ macht die Runde: Frau soll sich nicht verausgaben, sondern ihre Energie ökonomisch einsetzen – und die Männer für ihre Ziele einspannen. „Weniger Fleißarbeit im Hamsterrad, mehr Strategie“, empfiehlt zum Beispiel die Essener Trainerin Marion Keup. „Suchen Sie Herausforderungen, mit denen Sie glänzen können – und tun Sie das dann auch. Setzen Sie sich bei den für Sie wichtigen Leuten ins rechte Licht. Wie anders soll Ihr Chef wissen, was Sie können?“, rät sie ihren Klientinnen.
In ihren Coachingzirkeln verzichtet Keup auf zentrale Themen klassischer Führungstrainings wie soziale Kompetenz oder Selbstmanagement – „das brauchen Frauen meist nicht“. Sie legt den Schwerpunkt auf eine robuste psychische Konstitution. „Bei meiner Klientel, der Generation der 35- bis 45-Jährigen, hapert es oft am Selbstbewusstsein“, beobachtet sie. „Daher ist eines der wichtigsten Ziele, Selbstzweifel zu zerstreuen und den Blick auf Stärken, Fähigkeiten und Leistungen zu lenken.“
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