Auch Wolfgang Looss, einer der führenden Köpfe der Coaching-Branche, hält wenig von den Zertifizierungsaktivitäten. Mit dem Verbandskürzel auf Visitenkarten und Broschüren versuche man lediglich eine Kompetenzvermutung beim Kunden zu erzeugen. Bei der Wahl eines geeigneten Coaches ergehe es dem Coachee wie Patienten „bei der Suche nach einem guten Arzt“, sagt Looss. Sein Rat: „Herumfragen und sich dann ein paar der empfohlenen Coaches genauer anschauen.“
Dabei sollte das Vorgespräch kostenlos sein. „Wir sind verpflichtet, es unseren Klienten zu ermöglichen, selbst urteilsfähig zu werden“, sagt Looss. Unabdingbar ist auch eine klare Vertragsgestaltung: Dauer und Anzahl der Stunden sowie das Honorar sollten festgelegt sein, wobei der Klient jederzeit ohne Zusatzkosten aussteigen können sollte – sei es, weil er mit dem Coach nicht klarkommt oder sein Problem bereits gelöst ist.
Die Palette der Coaching-Anlässe ist breit: Überforderung oder Frust im Job, Konflikte mit dem Chef, eine neue Position oder der Wunsch nach einer beruflichen Veränderung. Manchmal genügt dafür eine Handvoll Sitzungen, manchmal dauert es länger.
Im Gegensatz zur Psychotherapie geht es jedoch nicht um eine Analyse oder Veränderung der Persönlichkeit, sondern um die Lösung eines konkreten beruflichen Problems. Bei ihrer Arbeit setzen Coaches auf verschiedene Methoden. Das reicht von der Fragetechnik über systemische Ansätze bis hin zu Visualisierungsübungen und Kreativitätstechniken.
Wichtig ist, dass der Coach mehrere theoretische Ansätze und Methoden beherrscht. Denn nicht jeder Ansatz eignet sich für jedes Problem. „Ein Coach sollte themen- beziehungsweise problemorientiert und nicht methodenfixiert vorgehen“, sagt Achim Mollbach, Coachingexperte von der Managementberatung Kienbaum.
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