Auch Personalchefin Müller-Simon fand dort professionelle Hilfe – und erstmals ihren Eigenton. Mit einem bejahenden „Mmm-mmh“ stimmt sie sich vor dem Sprechen immer wieder auf diesen ein. „Das tiefere Mmmh, das ist der Eigenton“, erklärt Dyckhoff. Gleichzeitig sollen sich die Stimmeleven vorstellen, einen Tennisball im Rachen zu haben – nur das schafft genug Resonanzraum.
Denn die meisten Menschen kriegen buchstäblich die Zähne nicht auseinander. Gerade stressbelastete Manager verkrampfen beim Sprechen. „So mancher muss nachts eine Beißschiene tragen, weil er so stark mit den Zähnen knirscht“, weiß Dyckhoff. „Anders als in südlichen Ländern bekommen wir schon als Kind eingeimpft, bloß nicht den Mund zu weit aufzumachen“. Ein bis zwei Finger – je nach Vokal – sollten beim Sprechen aber schon zwischen die Zähne passen.
Hinzu kommt: Der moderne Büromensch sitzt überwiegend und hat die natürliche Tiefenatmung verlernt. Aber nur eine bewusste Bauchatmung aus dem Zwerchfell gibt der Stimme die nötige Stütze. Das übt jeder Hobbysänger im Kirchenchor. Jedoch: „Singen und Sprechen sind zwei Paar Schuh“, betont Dyckhoff. Die Sängerin eines renommierten Rundfunkchors kann dies nur bestätigen, sonst hätte sie kaum ein solches Seminar belegt.
Stimme transportiert mehr als nur Sprache. Westerhausen: „Viele Deutsche haben im Bemühen um Kontrolle ihre Sprache regungslos gemacht.“ Gerade Geschäftsleute setzen beim Sprechen ein maskenhaftes Gesicht auf. Lesen Vorstände ein exzellentes Jahresergebnis monoton und mit starrer Mimik ab, dürfte das den Aktienkurs kaum befördern. Denn Stimme vermittelt sekundäre Emotion. „Vor allem Finanzchefs neigen zu solchen Leichenreden“, beobachtet Dyckhoff. Hier hilft der alte Verkäufertrick, beim Sprechen zu lächeln. Denn dadurch spannt sich das Gaumensegel, die Stimme klingt nicht mehr so dumpf und damit sympathischer.
Das wirkt selbst am Telefon. So trainierte Stimmexpertin Martini jüngst zwei gestandene Bauleiter, die lange erfolgreich auf Großbaustellen das Wort geführt haben. Nun sollten sie plötzlich am Telefon Kunden gewinnen. Ihr Chef hatte sie geschickt, denn er wusste: Die Stimme ist die Visitenkarte des Unternehmens.
Auch bei Personalmanagerin Heike Müller-Simon zeigt das Training Wirkung. Ihre Stimme hat sich seitdem total verändert, was allen im Unternehmen sofort auffiel. Klar, wohlklingend und überzeugend berichtet sie: „Ich bin überrascht, wie nachhaltig solche Atem- und Tonübungen wirken – fast wie auf Knopfdruck. Ich muss nur meinen Eigenton finden.“ Nie hätte sie gedacht, wie viel glaubwürdiger sie allein durch eine bessere Stimme rüberkommt. „Das hilft mir enorm im Job.“
Ihren eigenen Stimmkurs hatte Müller-Simon noch privat gebucht. Bald aber schickt sie einen Mitarbeiter zum Stimmtraining. „Auf Firmenkosten natürlich“, sagt sie mit dem Brustton der Überzeugung.
