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Experten unterscheiden zwischen sachbezogenem Klatsch, etwa über die jüngste Erfolgsstrategie eines konkurrierenden Unternehmens, und personenbezogenem Gerede. Gängigste Variante ist die mündlich überlieferte, unverbürgte Nachricht. Sie beginnt meist mit einer harmlosen Spekulation, etwa darüber ob die schwangere Kollegin einen Jungen oder ein Mädchen bekommt, woraus die Flüsterpost später gerne macht: „Haste gehört, Katja bekommt wahrscheinlich ein Mädchen!“

Ärgerlicher für die Betroffenen sind dagegen Lästereien, zum Beispiel über die peinlichen Motivkrawatten des Chefs oder die misslungene Diät seiner Sekretärin. Das mag unkollegial sein und zu atmosphärischen Störungen im Betrieb führen. Strafbar ist erst die Verbreitung wissentlich unwahrer Behauptungen (Verleumdung) oder unwissentlich falscher Aussagen (üble Nachrede) mit dem Ziel, den Ruf des Opfers zu beschädigen. Von Mobbing sprechen Juristen erst, wenn solche Gerüchte systematisch und über mindestens ein halbes Jahr verbreitet werden.

Die Verbreitung verdanken Gerüchte handfester Ökonomie: Auf keinem anderen Weg lassen sich Nachrichten schneller und billiger übermitteln als via Mundpropaganda. Einziger Nachteil: Einmal in Umlauf gebracht, lässt sich das Gerücht kaum noch aufhalten.

Ideale Bedingungen für Krawallmacher

Vor allem nicht im Internet. Längst hat das Web sämtliche analogen Gerüchteküchen überflügelt: Foren, Chaträume, Blogs – sie alle aggregieren und kollektivieren virtuelles Hörensagen zur sogenannten Schwarmintelligenz, der geglaubten Wahrheit der Masse.

Für Krawallmacher sind das ideale Bedingungen. Selbst die fragwürdigsteAnsicht muss im virtuellen Raum desInternets nur laut und oft genug wiederholt werden, um von der Mehrheit geschluckt zu werden. Mehr noch: Je negativer eine Aussage, desto besser setzt sie sich durch, weiß Evolutionsbiologe Sommerfeld. „Dann finden sich besonders schnell und viele Anhänger.“ Der schlechte Ruf – er eilt den Betroffenen sprichwörtlich voraus. Oder wie es die Wiener Reputationsforscherin Susanna Wieseneder auf den Punkt bringt: „Die Leute lästern lieber als zu loben.“

Dahinter steckt auch der Wunsch nach Zugehörigkeit – Ausgrenzen verbindet. „Die Menschen passen sich anderen Meinungen an, um Teil einer Gruppe zu sein und um sich keine eigene Meinung bilden zu müssen“, sagt Sommerfeld.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Wie sich Kundenerlebnisse verbreiten.


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