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26.03.2008 

Der amerikanische Buzz-Experte Jerry Wilson hat untersucht, wie sich Kundenerlebnisse verbreiten. Ergebnis: Positive Erlebnisse werden bis zu dreimal weitererzählt, schlechte jedoch bis zu 33-mal. Wer jemanden vergrätzt, riskiert also, dass dieser das elfmal häufiger weitertratscht als der Mensch, zu dem man gerade nett war.

Woher kommt diese Urlust am Verhöhnen und Verunglimpfen? Wissenschaft-lich nahezu unbestritten ist, dass das Gerüchteverbreiten allen Menschen angeboren ist. Zu Urzeiten war es sogar überlebenswichtig, glaubt der US-Psychologe Frank McAndrew vom Knox College inIllinois: Wer etwas Schlechtes über be-deutende Personen der Gemeinschaft enthüllte, stieg im Ansehen der Gruppe und verbesserte so seine Chancen, sich fortzupflanzen.

Geschwätzigkeit – keine weibliche Domäne

McAndrew untermauerte seine These durch ein Experiment: Er gab über 100 Studenten Klatschzeitschriften zu lesen und fragte sie anschließend, welche Artikel sie sich gemerkt hatten. Ergebnis: Männer konzentrierten sich auf die Verfehlungen männlicher Stars, Frauen bevorzugten Negatives über ihre Geschlechtsgenossinnen. Beide interessierten sich also für Storys, bei denen mögliche Rivalen schlecht wegkamen – reiner Überlebenstrieb.

Indirekt räumte McAndrew so auch mit dem Gerücht auf, dass Geschwätzigkeit eine weibliche Domäne sei. Zwar leitet sich der Begriff „Klatsch“ nach herrschender Meinung etymologisch vom lautmalerischen Geräusch des Ausschlagens nasser Kleidung an öffentlichen Waschplätzen ab. Dort kamen die Frauen zusammen, wuschen Schmutzwäsche und tauschten Neuigkeiten aus – Klatschweiber im Wortsinn. Tatsächlich aber haben Männer wie Frauen dieselbe Freude am Gerüchteverbreiten, wie etwa der Bielefelder Soziologe Jörg Bergmann zeigen konnte.

Bergmann fand ebenso heraus, dass Männer und Frauen inhaltlich anders klatschen: Zwar plaudern beide gleich gerne über das jeweils andere Geschlecht. Frauen neigen bei ihren Erzählungen jedoch eher zum Extrem – „entweder sie werden deutlich gehässiger als Männer oder aber mitfühlender“, so Bergmann. Männer wiederum tratschten emotionsloser und thematisieren vornehmlich das neue Auto des Nachbarn, das iPhone des Kollegen oder die Figur seiner Geliebten. Im Kern geht es bei ihnen immer um Trophäen.

Lesen Sie weiter auf Seite 5: Klatsch – eine männliche Erfindung des 17. Jahrhunderts.

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