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HANDELSBLATT, Donnerstag, 2. März 2006, 16:27 Uhr

GMAT: Bewerber sollen Führungspotenzial haben

Von Christoph Mohr

Viele Deutsche "vermasseln" sich von vornherein ihre Chancen an führenden Business Schools, weil sie nicht wissen, wie sich erfolgreich an einer Business School bewirbt. Ein Test der oft verlangt wird, prüft das Führungspotenzial der Kandidaten: Der GMAT. Auf ihn sollten sich Studenten in spe gut vorbereiten. Auch sonst gibt es jede Menge zu beachten.


Häufig verstehen deutsche MBA-Interessenten nicht, wie eine Business School tickt. Sie wählt sich ihre Studenten nach eigenem Gutdünken aus. Das Geheimnis einer guten Business School besteht darin, die richtige Mischung hochkarätiger MBA-Studenten herzustellen, also hoch motivierte, leistungsfähige Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund (geographische Herkunft, Studium, beruflicher Werdegang) zusammenzubringen. Im Folgenden einige Tipps, um Fallstricke bei der Bewerbung zu vermeiden.

Eine Business School hat ein vitales Interesse daran, dass aus ihren Studenten "einmal etwas wird": Ein wichtiges Kriterium für die Aufsteller der für die Werbung sehr wichtigen Ranglisten sind die Durchschnittgehälter von MBA-Absolventen: Je mehr ihre ehemaligen Schüler verdienen, desto besser steht eine Business School da und desto mehr zahlungskräftige Studenten zieht sie an. Vor allem in den USA spenden ehemalige Studenten ihrer Schule oft auch sehr hohe Beträge. Sehen Sie sich als Produkt! Sie antworten mit Ihrer Bewerbung auf diese Nachfrage. Das heißt: Je mehr Sie einer Business School zu bieten haben, desto größer sind Ihre Chancen. Auch wenn viele Deutsche Schwierigkeiten mit einer eher US-amerikanischen Form der Eigenwerbung haben – es gilt der Satz: Verkaufen Sie sich selbst!

Zum Zeitpunkt der Bewerbung muss eine Business School aus Kandidaten auswählen, deren "große Karriere" kaum mehr als eine Hoffnung ist. Es ist eine Wette auf die Zukunft. Eine Business School entwickelt daher aus dem "track record" des Bewerbers, also aus seinem bisherigen Werdegang, eine Art Potenzialanalyse. Wer in seinem bisherigen Leben, in Studium, Job aber auch außerhalb, schon etwas geleistet hat, von dem kann man erwarten, dass er auch in seinem MBA-Studium und darüber hinaus Leistungsvermögen und Leistungsbereitschaft zeigen wird.

GMAT: Ein Test, der computerbasiert analytisches Denken prüft

Besonders geschätzt wird bei Business Schools Führungspotenzial. Kramen Sie alles heraus, was Sie in Ihrem Leben dazu finden! Waren Sie Klassensprecher? Mannschaftsführer im Fußballverein? Haben Sie eine Öko-Initiative gegründet? All das gehört mit Sicherheit in Ihre Bewerbung.Individualisieren Sie Ihr Angebot! Nichts ist tödlicher als die Standardbewerbung, der man anmerkt, dass sie an ein halbes Dutzend Schulen gegangen ist. Erklären Sie der Schule, warum Sie unbedingt hier und nirgendwo anders den MBA machen wollen. Dazu ist es natürlich notwendig, sich vorab mit den Besonderheiten der jeweiligen Schule vertraut gemacht zu haben.

Studenten, auch angehende Studenten, sind für Business Schools Kunden. Diesen wird ein gewisser Service geboten – ein für deutsche Universitäten eher ungewöhnlicher Gedanke! Zum Service gehört auch, dass mögliche Bewerber die Schule besuchen und mit gegenwärtigen MBA-Studenten sprechen, sowie sich beraten lassen können. Üben Sie für den GMAT! Alle guten Business Schools verlangen heute den Graduate Management Admission Test (GMAT). Dieser Test, der computerbasiert analytisches Denken testet, ist für Deutsche sehr ungewöhnlich.

Durch Übung lässt sich das GMAT-Ergebnis sehr deutlich steigern. Dafür muss ausreichend Zeit eingeplant werden. Drei bis vier Monate täglich eine Stunde Übung sind eine gute Richtschnur. Das GMAT-Ergebnis ist an den meisten Business School schlicht ein Knockout-Kriterium: Unter einem gewissen GMAT-Punktestand werden Bewerber überhaupt nicht genommen.

Noch ungewöhnlicher ist für deutsche Bewerber der "Essay", der von den meisten verlangt wird, eine Art Motivationsschilderung. Schulen mögen keine standadisierten Essays. Deshalb ist davon abzuraten, die Hilfe kommerzieller Essay-Schreiber in Anspruch zu nehmen.

Noch ein Tipp bei der Wahl Ihrer Business School: Lassen Sie sich nicht durch hohe Studiengebühren abschrecken! Viele MBA-Interessenten wählen aus Kostengründen eine vermeintlich preisgünstige Business School. Das ist eine Milchmädchenrechnung. Denn anders als bei der Promotion bringt der MBA-Titel als solcher kaum Karrierevorteile. Was zählt, ist die Schule, an der der MBA gemacht wurde. Und hier sind die guten Business Schools fast immer auch die teuersten. Dafür aber bieten sie in der Regel auch Stipendien.


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